FREUDE und WEISHEIT

… waren die Worte, bevor am letzten Donnerstag mit einem Donnergrollen das Licht kurz aus-, dann hell den Saal beleuchtend, wieder anging.

Donnerstag, 23. November 2017. 5. Sächsischer Nachhaltigkeitskonferenz im Opernhaus Chemnitz. Christian Felber hält gerade eine Laudatio auf den Preisträger International des Carlowitzpreises. Er zeichnet ein Bild von Alberto Acosta in all seinen Facetten. ‚Freude und Weisheit‘ verwendet er in der Übersetzung der beiden Vornamen von Alberto Acosta’s 2. Frau.

‚Genau, das ist die Lösung‘ war mein Gedanke in dem Moment: ‚Es braucht die FREUDE. Nicht nur die Weisheit.‘

Denn, wenn wir über die Um-Welt sprechen und genau hinschauen, dann macht sich schnell Sorge, wenn nicht sogar Angst breit. Die Katastrophen mehren sich, die Flüchtlingsströme aufgrund von Kriegen oder Hungersnöten nehmen zu. Wir wollen festhalten an dem Vertrauten und sind doch gezwungen, etwas zu ändern. Die Politiker denken an die nächsten Wahlen und nicht an die nächsten Generationen.

Den Menschen am vergangenen Donnerstag zuzuhören, die an jenem Tag als Impulsgeber und Laudatoren sprachen, erdrückte mich fast. Das Leid und die Not auf der Welt anzuschauen und mir vor allem bewusst zu machen, was dies für meine Kinder bedeutet, macht eng und schwer im Herzen. Wo fängt man an? Und wie kann man Menschen ermutigen, mitzumachen?!

FREUDE und WEISHEIT.

… und Donnergrollen. Früher hätte Gott einen Dornbusch brennen lassen, so war mein Gedanke in diesem Moment. In der Bibel kann man davon lesen. Ein brennender Dornbusch oder ein einschlagender Blitz in der Chemnitzer Oper wäre nicht ganz passend gewesen. Ein Stromausfall in einem großen Teil Chemnitz‘ passt da schon eher zu den Zeichen, wie wir sie heute erhalten und verstehen können.

Es braucht eben nicht nur die WEISHEIT der Wissenschaftler, auf die wir hören dürfen. Die WEISHEIT der Pioniere, wie von Christian Felber, der mit seiner Gemeinwohlökonomie Menschen ermutigt, ganz persönlich einen Unterschied zu machen. Es braucht auch die FREUDE, das Lebendige und Leichte, das MenschSein ja auch ausmacht.

Für die meisten Gäste, die an diesem Tag in der Oper waren, war es einfach nur ein Stromausfall. Für mich war es ein ‚brennender Dornbusch‘ und die Bestätigung dessen, was ich seit einer Weile fühle: Ich möchte den Menschen Märchen erzählen. Märchen, die FREUDE und WEISHEIT vereinen. Geldmärchen und Wirtschaftmärchen.

Die Märchen sollen Mut machen und uns einladen, neu zu handeln und an Wunder zu glauben. Denn: wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist, so heisst es.

Und so möchte ich jetzt ein Märchen weitererzählen, das ich vor kurzem hörte. Es ist eine Geschichte aus einem schweizer Schulbuch, eine Geschichte über die Welt:

Eine kleine Weihnachtsgeschichte

An jenem Tag im Dezember hatte der Spielwarenhändler Franz Carl seinen üblichen Stress gehabt. Man hatte ihm violette Schaukelpferde geliefert, obwohl für dieses Jahr rosarote in Mode waren. Vor der Kasse waren ungeduldige Leute Schlange gestanden. Barbies und Teddybären, Bilderbücher und Computerspiele, das alles musste mit weihnächtlichem Geschenkpapier und rotgoldenem Band hübsch verpackt werden.
Als Franz Carl dann lange nach Ladenschluss endlich zu Hause ankam und erschöpft in den Lehnstuhl sank, um sich die Zeitung zu Gemüte zu führen, da kam seine Tochter und wollte mit ihm spielen. Sie hatte ihn heute den ganzen Tag noch nicht gesehen und war der Mutter schon eine Weile mit ihrem ‚Wann kommt der Papi nach Hause’ in den Ohren gelegen.
Um das Kind zu beschäftigen, nahm Franz Carl ein Blatt aus der Zeitung. Es zeigte eine Weltkarte. Darauf waren die Katastrophen eingezeichnet, die Orte, wo es während des Jahres Hungersnöte oder Terroranschläge gegeben hatte, Tankerunglücke, Überschwemmungen und Waldbrände. Die Karte zeigte die Krisenherde, Länder, wo auch in der Adventszeit Soldaten auf Menschen schossen, Panzer die Dörfer zerstörten und Flugzeuge Bomben auf die Städte warfen.
Franz Carl zerriss dieses Blatt in kleine Stücke und sagte zu seiner Tochter: ‚Hier hast Du ein Puzzle. Versuch, diese Welt wieder in Ordnung zu bringen.‘
Franz Carl wandte sich nun dem Rest der Zeitung zu. Doch er konnte nicht lange in Ruhe lesen. Denn schon nach ein paar Minuten kam die Kleine wieder, um dem Vater die fertige Karte zu zeigen. Die Neugier war stärker als der Missmut über die erneute Störung. Der Vater fragte sein Kind, wie er das so schnell geschafft habe.
‚Ganz einfach,‘ antwortete die Tochter. ‚Auf der Rückseite der Weltkarte war ein Mensch abgebildet. Ich brauchte nur den Menschen in Ordnung bringen, da stimmte auch die Welt wieder.‘

 

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