Was will ich (schon) bewirken?!

‚Was will ein kleiner Verein hier schon bewirken?!‘ sagte ein Bankfilialleiter zu mir, als ich vergangene Woche mit ihm über das Thema Finanzbildung für Schüler sprach. Vor Jahren oder Monaten hätte dieser Satz mich wahrscheinlich noch entmutigt, heute denke ich darüber nach und versuche zu verstehen, warum dieser Filialleiter so denkt – und vor allem, wie viele Menschen es in der Finanzbranche gibt, die genau so denken. Deshalb dieser Blogbeitrag:

Mal ehrlich, wer von uns hat diesen Satz in dieser oder ähnlicher Form nicht selbst schon einmal gehört oder sogar zu sich selbst gesagt?!

… was will ICH (allein) schon bewirken – gerne wird diese Aussage auch ergänzt durch: die Macht / das Geld / die Position haben doch andere ….

Und mit hängenden Schultern begräbt man die Vision, die man hatte, und reiht sich wieder ein in den alltäglichen Trott. Und genau dies ist der Moment, wo man diesem Satz Recht gibt. Man ihm Recht gibt, indem man selbst aufgibt.

Es ist genug, liebe Kollegen. Wirklich. Glaubt mir, ich weiß um all die verbrannten Finger, wenn man, je nachdem, welche Führungskultur in der Bank gelebt wird, wieder einmal zu groß gedacht, zu weit über den Tellerrand geschaut hat. Ich hatte sie selbst, die verbrannten Finger, nicht nur einmal….

Doch ich weiß auch, wie sehr es sich lohnt, diesen Träumen und Visionen Raum zu geben, sie zu beschützen und zu nähren, so wie man einem Samenkorn oder kleinem Pflänzchen zu Beginn mehr Aufmerksamkeit schenken muss, als einem ausgewachsenen Baum, dessen Wurzeln fest verankert sind. Ich weiß um die Kraft dieser Visionen, wenn sie im Einklang mit Euren Werten und dem Sinn Eures Lebens sind – dann haut Euch ein Gegenwind nicht mehr um, schmerzen ‚verbrannte Finger‘ nur noch halb so sehr und entwickelt Ihr auf einmal Geduld auf Eurem Weg, wo Ihr vorher vielleicht ein eher ungeduldiger Mensch gewesen seid.

Ich möchte an dieser Stelle an ein Filmzitat erinnern aus dem Film ‚Das Streben nach Glück‘.

Lass Dir von niemanden je einreden, dass Du was nicht kannst. Auch nicht von mir, ok? Wenn Du einen Traum hast, musst du ihn beschützen. Wenn andere was nicht können, wollen sie Dir immer einreden, dass Du es auch nicht kannst. Wenn Du was willst, dann mach es. Basta.

In den letzten Jahren habe ich mit so vielen Kollegen und Menschen aus der Finanzbranche gesprochen. So viele davon hatten wirklich großartige Ideen und Ansätze für ein wertschätzendes Miteinander, bei dem es – und ich merke, der Filmtitel passt – tatsächlich um das Streben nach Glück(licherem Miteinander in der Branche) geht.

Noch gibt es in unserer Branche verhältnismäßig wenige Menschen, die den Mut haben, diese Visionen sichtbar zu machen und laut auszusprechen – vielleicht aus Angst, allein dazustehen, als Spinner abgestempelt zu werden, zu scheitern oder -worstcase- ihren Job zu verlieren.

MenschBank lädt ein, es anders zu machen. Gemeinsam die Visionen und Träume – speziell in Bezug auf die Finanzbranche – sichtbar zu machen und zu leben.

Erzählt uns von Euren Träumen und Visionen in Bezug auf eine menschen- und lebensfreundliche Finanzwelt! Welche Ideen habt Ihr, welche Fragen bewegen Euch? … Eure Samen fallen bei uns auf fruchtbaren Boden. Wir wissen darum, dass diese Samen zunächst besonders gepflegt werden müssen und nicht von Zweiflern kaputt gemacht werden dürfen.

Gern möchte ich Euch ganz konkrete Tipps geben, wie Ihr mit den o.g. Ängsten gut im Alltag umgehen, sie um-gehen könnt (ich schreibe in der Du-Form, arbeite ich auf dieser Ebene in meinen Coachings. Ich hoffe, dies ist okay).

  1. Mach Dir bewusst, Du bist nicht allein mit Deinen Visionen. Egal in welcher Bank / Finanzunternehmen Du arbeitest. Überall gibt es Menschen, die sich die Branche anders wünschen – die auch keine Lust mehr haben, die Schuld bei anderen zu suchen, sondern bereit sind, die Ärmel hochzukrempeln und zu tun, was sie tun können.
  2. Beginne, ein lebendiges Netzwerk mit Gleichgesinnten zu leben. Damit meine ich nicht die klassischen Netzwerk-Events, um neue Aufträge zu erhalten, Businesskontakte zu pflegen oder in einem ‚Sehen und Gesehen werden‘ Smalltalk zu praktizieren. Ich spreche davon, sich wirklich von Mensch zu Mensch zu begegnen, die Masken (in Form von Titeln und Positionen) fallen zu lassen und auf Augenhöhe ganz authentisch und ehrlich miteinander zu sprechen, sich von seinen Träumen zu erzählen und von den Visionen für die Branche.
  3. Werde aktiv und komm ins Tun. Schau, was Du jetzt – hier und heute – schon konkret umsetzen kannst, um die Branche, Dein Unternehmen, Deine Abteilung, Deine Beziehung zu Kunden, Kollegen, Vorgesetzten menschlicher und wertebewusster zu machen. Fokussiere Dich darauf, was Du ändern kannst – entziehe den Dingen, die Dich stören oder nerven Deine Aufmerksamkeit und Energie. Wie gesagt, am Einfachsten, indem Du das tut, was Du heute schon tun kannst – und sind die Schritte scheinbar noch so klein. (Ein Video, das zu diesem Thema sehr inspirierend ist.)
  4. Suche Dir Vorbilder – ja, die gibt es in unserer Branche. Helmut Lind von der Sparda-Bank München ist einer von denen, die mir persönlich immer wieder eine große Inspiration sind. Allein darum zu wissen, dass es diese Menschen gibt, stärkt Dich selbst. Wer sind Deine persönlichen Vorbilder? Lies von Ihnen, schaue Videos, besuche Veranstaltungen, wo Du sie kennenlernen kannst und spreche sie ruhig direkt an. Stelle ihnen Deine Fragen, bitte Sie um Rat oder Unterstützung bei Deinen Anliegen. Trau Dich!
  5. Gib den Fragen Raum ohne sofort eine Antwort haben zu müssen. Etwas sehr Ungewohntes / Ungewöhnliches in unserer Branche. Man will Antworten, sofort und messbar. Den Fragen Raum zu geben bedeutet auch, ihnen die Zeit zu geben, die es braucht, bis die Antworten kommen. Ich kann versprechen: sie werden kommen.
  6. Erlaube Dir zu Scheitern. … JA!! Das ist wichtig. Hab keine Angst davor, zu scheitern. Versetze Dich in die Rolle eines Kindes oder eines Erfinders. Wie oft probiert man etwas, muss neu versuchen, nachjustieren …. zweifelt man das Vorhaben an?! Oder vermeidet man gar das Ausprobieren aus Angst vorm Scheitern?! …. Nein, im Gegenteil!! Die Versuche, die nicht zum gewünschten Ziel führen, sind meist die wertvollsten Lektionen. In unserer Branche dürfen wir dies neu etablieren. Also, erlaube Dir, Fehler zu machen, erlaube Dir nachzujustieren. Doch lass Dich davon nicht ausbremsen. Geh weiter. Immer weiter – Schritt für Schritt.
  7. Sei entspannt damit, wenn Du Projektionsfläche wirst. In dem Moment, wo Du Dich abhebst von der Masse, geschieht dies meist automatisch. Wirst Du bewundert oder belächelt. Wirst Du als Gefahr empfunden oder ignoriert. Nimm dies nicht persönlich – es hat meist mehr mit den anderen Menschen, deren Erfahrungen und Prägungen zu tun, als mit Dir selbst. Nimm es gelassen und gehe freundlich weiter.
  8. Es kann passieren, dass Du Deinen Job verlierst, wenn Du beginnst, Deinen Träumen und Visionen zu folgen. Gerade in der aktuellen Zeit in der Finanzbranche. Hab keine Angst davor. Der Preis, Dir selbst untreu zu sein, ist wesentlich höher. Forciere es nicht unbedingt, verhalte Dich also smart, doch sei bereit, sollte es dazu kommen. Idealerweise hast Du Dein Leben schon so gestaltet, dass Du möglichst frei bist – und nicht auf das große Bankgehalt angewiesen. Beginne zu schauen, was es wirklich braucht für Dich zum Glücklichsein. Überprüfe (rechtzeitig) Deine Ausgaben & Investitionen. – Mach Dich schlau hinsichtlich einer guten Outplacement-Beratung. Werde Dir klar über Deine Träume und was Du in Deinem Leben wirklich tun willst. Versuche, vorbereitet zu sein und diesen evtl. Schicksalsschlag als Chance zu verstehen.
  9. Last but not least: mach Dir bewusst, dass jeder Einzelne machtvoll ist und seine Visionen absolute Berechtigung haben. Jeder darf den Mut (wieder)erlangen, an seine Träume zu glauben und sie Schritt für Schritt umsetzen. Keiner – kein Vorgesetzter, kein Lehrer, kein Elternteil – hat das Recht, uns klein zu machen. Mach Dir das bewusst, heile die inneren Verletzungen und komme Schritt für Schritt in Deine wahre Größe.

Hab den Mut, zu Deinen Träumen und Visionen zu stehen und lasse sie Dir von niemandem ausreden. Erkenne, dass die sogenannte ‚Macht‘ nicht bei den anderen ist, sondern ganz lebendig in jedem Einzelnen von uns. Habe den Mut, authentisch und klar zu Deinen Werten zu stehen, sie sichtbar zu machen und andere Menschen anstecken, sich (auch) für eine menschlichere und wertebewusste Finanzwelt stark zu machen. Jeder Weg braucht einen ersten Schritt. Jeder Baum war irgendwann ein Samen. Jede große Bewegung war einmal ein erster Impuls.

‚Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.‘ sagte Georg Bernard Shaw. Für die meisten Banker sind wir bei MenschBank ziemlich ‚verrückte Leute‘ und genau diese braucht es aktuell in unserer Branche. Die Verrückten und die Mutigen, die Besonnenen und die Vertrauenswürdigen, die Brückenbauer und die Verständnisvollen, die Ex-Banker, die wieder einsteigen wollen und die, die die Branche verlassen wollten und nun doch bleiben, weil sie erkennen, dass es ihr Wirken, ihr Puzzleteil, das sie beisteuern können, braucht, um ein neues Bild entstehen zu lassen.

Der Bankfilialleiter hat Recht mit einem Fakt: wir sind aktuell nur ‚ein kleiner Verein‘ und es ist wirklich schade, dass ich nicht zu ihm durchdringen konnte mit der Vision von MenschBank. Umso mehr hoffe ich, die Menschen aus der Branche zu erreichen, die jetzt schon offen sind und Lust haben, ihre Träume zu leben und – so es stimmig ist – mit uns gemeinsam zu wirken.

 

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