Visionäre – Theorie und Praxis

Ich möchte über Visionäre schreiben. Über Visionäre im Allgemeinen und im ganz Speziellen. Es hat einen Grund, dass dieses Thema gerade im Moment präsent ist: wir hörten in letzter Zeit über uns selbst direkt oder hinter vorgehaltener Hand, dass wir ‚Visionäre‘ seien oder ‚unrealistisch‘, ‚Spinner‘ oder jemand meinte sogar, ob wir eine ‚Sekte‘ wären.

Ein Teil von mir reagiert gelassen – es ist normal, dass Visionäre ‚anders‘ sind und erst einmal unbequem wirken und man sie am liebsten in eine Schublade packen möchte, die man dann zuschieben kann und das Schild, das außen dran klebt, genau bezeichnet, wer oder was drin ist. Gerade für Zahlen-Daten-Fakten Menschen, wie sie so häufig in der Bankenwelt unterwegs sind. Ein anderer Teil von mir ist traurig darüber, nehmen gerade die zuletzt genannten Schubladen häufig jeglichen Raum für einen Dialog, der ein Kennenlernen und damit potenzielles Zusammenwirken erst ermöglicht.

Vor knapp zwei Wochen hörte ich beim Dresdner Forum Tiberius, einem Internationalen Forum, wo sich Kultur und Wirtschaft auf Augenhöhe begegnen, eine Einführung zu einer Rede von Wolfgang Tiefensee, dem Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Entwicklung in Thüringen. Die gesprochenen Worte von Jenny Gleitsmann, Geschäftsführerin der Initiative Zukunftsform ließen mich so häufig bestätigend nicken – und sie anschließend bitten, diese Worte auf unserem Blog veröffentlichen zu dürfen. Danke, liebe Frau Gleitsmann für das vertrauensvolle Überlassen Ihrer Worte, die ich nachfolgend anfüge. Sie haben diese zur Einführung von Herrn Tiefensee verwendet, doch erlaube ich mir, sie hier allgemein zu halten – denn sie treffen auf so viele mutige, innovative, tatkräftige Menschen zu.

Jenny Gleitsmann am 27.03.2017 beim Forum Tiberius:

Hat unser Land und vor allem unsere Politik einen Mangel an Visionen?

Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Dazu bräuchte es länger als die kurze Einführung. An was es sicherlich mangelt, sind Menschen, die visionär denken und Visionen auch in die Tat umsetzen.

Ein Zukunftsbild in seinen Gedanken zu zeichnen, es offen und frei zu kommunizieren und dann Wirklichkeit werden zu lassen, ist immer ein mutiger, manchmal auch ein einsamer Akt.

Vor allem ein Akt, zu dem man langen Atem braucht.

Muss man doch aushalten können, dass es Gegenwind gibt. Dass Veränderungen auch Ängste schüren. Und dass die Dinge oft langsamer voran gehen als gewünscht.

Visionäre sind oft keine einfachen Zeitgenossen. Treiben Sie doch stets zur Extrameile an. Rufen Sie zur tieferen Analyse auf, um wirklich zu verstehen. Bitten sie mit Nachdruck zur Geschwindigkeit in der Umsetzung.

Doch wo wären wir in unserer Welt ohne diese unbequemen Vordenker. Ohne diese Aufrüttler. Ohne diese Kämpfer für ein Stück bessere Welt. Auch wenn wir so manches Mal wünschten, sie würden uns in Ruhe lassen. Es uns einfacher machen. Uns nicht auffordern, aus unserem Komfort treten.

Doch wir Menschen sind Zukunftswesen. Ohne eine Vorstellung von einem besseren Morgen verkümmern wir. Verlieren wir die Hoffnung, werden müde und geben auf. Ein Mangel an innerer Zukunft wirkt verheerend – was der Blick in eine Vielzahl von Krieg und Katastrophen gezeichneten Ländern rund um den Erdball zeigt und manchmal brauchen wir gar nicht so weit blicken, sondern nur in die Wohnlagen am Rande unserer Großstädte.

Wir brauchen Menschen in Politik, Wirtschaft und Kultur, die uns inspirieren, anregen und auffordern, unsere eigene Zukunft mitzugestalten.

 

Sind dies nicht wundervolle Worte, liebe Blogleser, und ich hoffe, man versteht, weshalb es mir ein so großes Anliegen war, sie einer breiteren Hörer- bzw. Leserschaft als den Gästen jenen besonderen Abends zugänglich zu machen.

Wir brauchen Menschen in Politik, Wirtschaft und Kultur, die uns inspirieren, anregen und auffordern, unsere eigene Zukunft mitzugestalten. (Jenny Gleitsmann)

…. sagt sie, bevor sie sich dann an Herrn Minister Tiefensee wendete und darüber sprach, was sie persönlich von ihm gelernt hat.

Wir brauchen Menschen …. die uns auffordern, unsere eigene Zukunft mitzugestalten. Wer sind diese Menschen in der Finanzbranche, die Visionäre sind, mutige Schritte gehen, Pioniere und Vorreiter sind?!

Wir haben überlegt, den ein oder anderen hier bei MenschBank vorzustellen und starten heute mit einer Frau, die in der Versicherungsbranche ganz mutige Schritte geht: Dr. Marie-Luise Meinhold von unser-ver.de. Die Vorstellung hier wird nur kurz sein – und vor allem zu ihrer aktuellen Crowdfunding-Kampagne, mit der sie Geld für die Gründung dieser Versicherung sammelt, einladen.

Wer sofort mehr darüber wissen will, kann gerne ihr Interview mit Nicole Rupp bei Geld mit Sinn e.V. lesen. Es lohnt sich sehr, dies zu lesen.

Als ich Marie fragte, ob ich über sie schreiben darf und was ihr wichtig sei, schickte sie mir so authentisch-ehrliche Worte, die ich am liebsten genau so veröffentlichen möchte. Doch ich werde ihr – und den anderen Visionären der Branche – mehr Raum geben in unserer Rubrik ‚Bankgespräche‘; mich mit Marie einmal auf einer ihr lieben (Sitz)Bank treffen und mit Kamera und Ton plaudern.

Was ich teilen möchte von Marie’s Worten, ist, was sie antreibt:

Einerseits ihr Fragen und ihr Suchen nach Themen rund um Ökologie und Nachhaltigkeit: wie wurde etwas hergestellt, unter welchen Bedingungen, welche Konsequenzen hat es in ökologischer und sozialer Hinsicht entlang der Wertschöpfungskette bis hin zur Frage: kann ich es reparieren, kann es weiter verwendet werden.

Andererseits interessiert sie das Thema Finanzen – wenn man Summe X bewegt, was löst es dann aus, in gesellschaftlicher Hinsicht. Sie mag es, wenn man auch global denkt – welche Effekte hat unser Handeln hier auf der anderen Seite des Planeten, auch wenn wir dies hier nicht sehen?

Sie setzt auf Aufklärung, auf miteinander Reden und Wirken, darauf, gemeinsam neue Wege zu gehen und Lösungen zu finden. Sie wünscht sich, …. regelmäßige ‚Geld mit Sinn‘ Veranstaltungen für Anleger, um nicht nur die eigene Rendite im Auge haben, sondern auch den gesellschaftlichen Nutzen der Geldanlagen. Wie viel CO2 spart eine Geldanlage? Wie vielen Menschen gibt diese Geldanlage Lohn und Brot zu fairen Bedingungen, wie zum Beispiel nach den Standards der Living Wages der ILO? So können Anleger*innen wirklich der Ausbeutung von Menschen und dem Planeten vorbeugen. Diese Veranstaltungen jeweils regional mit 2-3 Finanzberatern, zu denen sich ein Experte aus dem Bereich nachhaltige Geldanlagen gesellt.

Ein wunderbarer Wunsch, wie wir finden, den wir gerne unterstützen und ermutigen, hier jenseits von Wettbewerb im Sinne unserer Erde miteinander zu wirken. Lasst uns all die Schubladen öffnen, die wir für die ‚Ökos‘ und die ‚Kapitalisten‘ und viele mehr und viele dazwischen angelegt haben. Lasst uns miteinander ins Gespräch kommen und Brücken schlagen. Lasst uns über Geld sprechen und darüber, wie wir im Sinne unserer eigenen Werte auch unsere Finanzanlagen gestalten können.

Nachhaltige Investments und Rendite schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Hierfür brauchen wir Pioniere oder Visionäre, die mutig vorangehen und ihre Visionen Realität werden lassen. Helfen wir alle, dass Menschen wie Marie ihre Visionen Realität werden lassen. Denn – sie tun es nicht für sich, sie tun es für uns alle, für die Menschen und unsere Erde.

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