Vertrauen und Sinn vs. Kontrolle und Nutzen

Seit wir mit MenschBank gestartet sind, war der Sinn (und damit Zweck) unseres Handelns klar: Menschen, die im Banken-/Geldkontext arbeiten, sollen dies wieder mit Freude und Vertrauen tun können.

Dies findet sich auch in der Präambel unserer Satzung, die ich an dieser Stelle gerne zitiere:

MenschBank ist eine Initiative, die Wertebewusstsein für gesellschaftlichen und finanziellen Wandel fördert. Mit mehrmoduligen Projekten unterstützen wir Menschen darin, Freude und Glück im Umgang miteinander, gerade wenn es um Geld geht, zu erfahren. Hierzu informieren wir, klären auf und bieten Erfahrungsfelder, wo miteinander geforscht und entdeckt, gestaltet und gewirkt wird. Wir verbinden das innere Gedankengut von Menschen und Unternehmen mit den äußeren, globalen Bezügen der Welt. MenschBank steht für ein gesundes und nachhaltiges Ressourcengleichgewicht.

Alles, was wir seither anstoßen – sei es Finanzbildung für Schüler, das Thema Lösungsmanagement oder unsere Bankgespräche dient genau diesem Sinn. Und egal, welchen Wegweiser das Leben uns zeigt, welch neuer Kontakt in unser Leben kommt oder welch Stoppschild auftaucht, wir sind voller Vertrauen, in einer klaren Kenntnis unserer Werte und gehen diesen Weg weiter.

Geduld und Vertrauen sind die Dinge, die wir in den letzten Monaten am intensivsten lernen durften – gerade ersteres nicht immer ganz freiwillig, vor allem, wenn uns bürokratische Stolpersteine scheinbar behinderten. Oder uns – sowohl aus der Finanzbranche als auch von Seiten der Bevölkerung, wenn wir über Banken sprechen – mit Misstrauen und Reserviertheit begegnet wurde.

Vertrauen darf wachsen, so ist unsere Überzeugung, vor allem in einer Branche, die von so viel Enttäuschung und Schein geprägt ist. Wir sind an der Stelle Pioniere – wie einige andere auch. Es sind noch vergleichsweise wenige Menschen innerhalb der Finanzbranche, die hier mutig und in authentischem Einklang ihrer eigenen Werte dies auch in ihrem Unternehmenskontext leben (können).

Und ich kann, zumindest bei denen, die Momente haben, in denen sie zur Ruhe kommen und hinterfragen, was sie tun, die innere Unruhe, die Fragen, die Zweifel verstehen. Und genauso gut kann ich verstehen, dass man den eingeschlagenen Weg irgendwie weitergeht – schließlich ‚kann man (in der Branche) froh sein, einen Job zu haben‘ und ‚woanders ist es auch nicht besser‘.
Für mich selbst hat dies nie wirklich funktioniert und nach einer Klage gegen einen Arbeitgeber, einem einige Jahre später aus ethisch-moralischen Gründen ‚für immer‘ Verlassen der Branche, einem Wiedereinstieg, dem ein Wiederausstieg und dann die Gründung der MenschBank folgte – bin ich heute angekommen. Bin dankbar und froh, meinen Weg genau so gegangen zu sein, nun Vertrauen und Klarheit auf diesem Weg mit MenschBank und gleichzeitig Verstehen und Verständnis für die Menschen innerhalb der Branche zu haben.

Gestern habe ich ein schönes Zitat gehört – I do not have much faith in school, but I have faith in people. – in einem wirklich coolen Video, dass das Schulsystem kritisiert.

Ich mag dieses Zitat – leicht verändert – aufgreifen:

Ich habe nicht viel Vertrauen in Banken, doch ich habe Vertrauen in Menschen.

Und weil es ganz besondere Menschen und Führungskräfte auch in der Finanzbranche gibt, gibt es Unternehmen, wo es anders ist, wo es menschlicher im Miteinander ist. Diese Unternehmen, darunter auch Banken, haben häufig Führungskräfte, bei denen die Aspekte ‚Vertrauen und Sinn‘ stärker wiegen als ‚Kontrolle und Nutzen‘, die jedoch gleichzeitig die Erfahrung machen konnten, dass mittel- und längerfristig, wenn die Weichen im Unternehmen in Bezug auf z.B. Wertekultur, Konfliktmanagement oder auch unternehmerischem Denken des Einzelnen richtig gestellt sind, auch die Unternehmensziele auf der in Zahlen messbaren Seite wirklich gut passen.

Aktuell brauchen wir Menschen, die uns vertrauen. Die uns vertrauen jenseits von Nutzendenken und Cover-Your-Ass-Mentalität (damit ist gemeint, kein Risiko einzugehen bzw. die Verantwortung sofort anderen / vorhandenen Regeln zuzuschreiben).

Ein Beispiel, das dieses Misstrauen der Branche zeigt: wir haben für unser Crowdfunding die gemeinnützige Plattform der in Dresden ansässigen Sparkasse gewählt. Der regionale Bezug, die Gemeinnützigkeit, ein Kreditinstitut als Plattform waren nur drei der Gründe, weshalb wir uns so entschieden haben. Allerdings sind wir keine Kunden der Sparkasse – weder privat noch mit unserem Vereinskonto. Es gab ein erstes Kennenlernen, einige Telefonate und Emails. Zu weiteren persönlichen Treffen kam es von Sparkassenseite mangels Zeit bislang leider noch nicht … Dies alles ist nicht wirklich genug, um Vertrauen zu entwickeln, so erkennen wir rückwirkend.
Und so überrascht und auch genervt wir waren, als wir uns mit der Anschuldigung konfrontiert sahen, unser Finanzbildungsprojekt könnte eine ‚Masche‘ sein, um Bücher zu vertreiben – so sehr zeigt dieses Beispiel auf, wie wenig Vertrauen in dieser Branche ist, wie oft in die eine oder andere Richtung von Ehrlichkeit und Klarheit gesprochen wurde, doch letztendlich man an dieser Stelle unehrlich war. Diejenigen, die wirklich transparent und ehrlich ihren Weg gehen, bekommen dann die Stolpersteine oder Stoppschilder.

Unser Buch-Konfliktthema konnten wir lösen: über Er-Klärung und das Abändern der Prämie für den Geldspender, der nämlich mit einer Widmung in dem jeweiligen Fachbuch steht. Wieder einmal hat sich gezeigt:

Wer will, findet Wege – wer nicht will, findet Gründe.

Dieses ‚gegen Windmühlen gehen‘ hält uns nicht zurück, lässt uns vielleicht manchmal ein wenig langsamer sein. Doch – ich wiederhole mich – ich habe Vertrauen in die Menschen und Verständnis, dass nach so vielen negativen Erfahrungen in der Finanzwelt, man erst einmal nicht glauben mag, dass sich jemand in diesem Feld wirklich vertrauensvoll und ehrlich bewegt. Ich selbst bin hier nicht immer die Diplomatischste und so bin ich froh, mich hin und wieder rausnehmen zu können und auf meinen Kollegen Martin zu zählen, der sein Thema ‚Lösungsmanagement‘ passioniert lebt und immer – wirklich immer – damit Unklarheiten klärt und Lösungswege aufzeigt.

Je ehrlicher und transparenter wir sind, je häufiger wir Menschen begegnen, die erkennen und bestätigen, dass wir bei MenschBank wirklich so sind, umso leichter wird es werden. Schritt für Schritt. Umso mehr wird man uns – und damit auch sich selbst – vertrauen und sich von dem eigenen und gemeinsamen Sinn leiten lassen und erkennen, dass man so dem Leben und der Gemeinschaft am besten nutzt, selbst am glücklichsten ist und die Kontrolle bestenfalls für schöne Statistiken oder ehrliches Feedback in der Sache dient.

Ja!! – wir brauchen aktuell Menschen, die uns vertrauen und unterstützen. Mehr denn je. Und vermutlich mehr, als wir sie in der Zukunft brauchen werden, wenn man begonnen hat, zu erkennen, dass wir weder eine ‚Vertriebsmasche‘ sind, noch ein Coachingunternehmen unter dem Deckmantel des Gutmenschentums.

Deshalb: wenn Du (oder Sie) uns entweder schon kennen und wissen, ‚die meinen das wirklich so‘, bitte unterstützen Sie uns im Rahmen Ihrer Möglichkeiten: erzählen Sie von uns weiter, spenden Sie Geld, wirken Sie mit. Wenn Sie merken (ich könnte auch ‚fühlen‘ sagen) da ist etwas, das Sie neugierig macht – sprechen Sie uns an. Wir lernen Sie gerne kennen – merken auf diesen Kennenlerntreffen sehr schnell, ob wir die gleiche Wertebasis haben und sich Schnittmengen unserer Visionen ergeben bzw. ergänzen.

Vertrauen wächst – Schritt für Schritt – wenn man beginnt, den ersten Schritt zu tun und in seinen Werten und der Sinnhaftigkeit seines Tuns klar geführt ist.

One thought on “Vertrauen und Sinn vs. Kontrolle und Nutzen

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