Scheitern ist Leben

Silke Hohmuth schreibt:

Wir teilen so gerne Erfolgsgeschichten – oder wir teilen ‚Fuck-Up-Stories‘ und machen damit Scheitern salonfähig. Je höher gescheitert und etwas in den Sand gesetzt, umso cooler….

Doch was wäre, wenn es gar kein Scheitern gibt?! Was wäre, wenn es einfach nur darum geht, zu lernen und daran zu wachsen?! Wichtige Fähigkeiten zu entwickeln, die man ohne diese Erfahrung nicht gemacht hätte – und irgendwann zu erkennen: diese Lektion war gold-wert auf meinem Lebensweg.

Was wäre, wenn das Leben uns führt und unsere (Business-)Pläne, so toll sie klingen, nur vermeintliche Sicherheiten sind, weil wir nicht den Mut haben, einfach loszugehen und neugierig und vor allem sinn-stiftend das (Wirtschafts-)Leben zu erkunden?!

Ist die Teilnahme am Deutschen Integrationspreis für uns Erfolg oder Scheitern?! Sagt es mir….

Denn scheinbar sind wir gescheitert: haben das Fundingziel nicht erreicht, haben keinen der vorderen Plätze belegt, die für ein Preisgeld notwendig gewesen wäre. Alles gesammelte Geld – 4.000 Euro immerhin – ging zurück an die Spender.

Schauen wir es uns einmal genauer an – und nehmen dazu unsere gesetzten Ziele in den Blick:

Unser Hauptziel war Sichtbarkeit – das ist uns definitiv gelungen.
Konkretes Finanzziel war, den Deutschen Integrationspreis zu holen, um mit dem Preisgeld eine Plattform zu bauen, die lt. Kostenvoranschlag 30.000 Euro kosten würde plus jede Menge Arbeit von unserer Seite, um sie perfekt umzusetzen.

Was wir inzwischen erfahren haben, ist: wir brauchen keine eigene Plattform, denn wir haben ‚zufällig‘ während des Crowdfunding-Zeitraumes, beim Unterstützen eines anderen Projektes, Betterplace entdeckt, eine Spendenplattform, die perfekt zu uns passt. Wir brauchen also jenes Preisgeld, um eine eigene Plattform zu entwickeln, gar nicht. So leben wir ’sharing economy‘ indem wir nutzen, was schon da ist.

Unser zweites Ziel war das Sammeln der Stipendien bis September. Jetzt haben wir Anfang Juli – und noch 3 Monate Zeit. Also alles noch offen…

Unser drittes Ziel: wir wollten eine eigene Plattform entwickeln, die wir auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren. Wie gesagt: Plattform brauchen wir nicht, Webseite ist ‚Schritt für Schritt‘ am Werden und Frankfurter Buchmesse ist gebongt. Merkt Euch den Donnerstag, 17. Oktober 2019, 16 Uhr schon einmal vor: Kulturstadion in Messehalle 3.1. Fearless Girls – Podium.

Dann das letzte Ziel: wir wollen eine SDGs-Verbrauchsstiftung gründen – ca. Oktober habe ich im Blogartikel geschrieben. Schau’n wir mal, ob es werden will oder sich noch etwas Besseres, an das wir noch gar nicht denken, zeigt… wir sind dran an dem Thema.

Wisst Ihr, es hat sich echt wie ein Scheitern angefühlt, es NICHT zu schaffen. Soviel Ent-Täuschung war im Team, bei den UnterstützerInnen, Beirat und Stipendiatinnen. Plötzlich wurde das ganze Projekt in Frage gestellt….

Dabei wussten wir spätestens beim HertieCamp Anfang März, dass dieser Crowdfunding-Contest nicht unsere Spielwiese ist. Doch die ausgehängte Karotte (das Preisgeld) schien so verlockend – ich habe mich blenden und überreden lassen…

Eigentlich wollte ich nicht gegen andere antreten. Das ist so überhaupt nicht, wofür wir stehen. – Ich habe es dennoch gemacht. Hab mich eingelassen auf dieses bitter-süsse Spiel. Die Spielregeln mag ich nicht. Sie sind nicht so, wie ich glaube, dass Geld und Wirtschaft gestaltet werden wollen – oder sagen wir, wie ICH Wirtschaft leben will. (Auf die Details gehe ich ein anderes Mal ein – das würde an dieser Stelle zu weit führen.)

Zwischendurch habe ich es bereut, mich eingelassen zu haben – doch es schien zu spät oder sagen wir: ich hatte nicht den Mut, Verantwortung zu übernehmen. Eine Antwort zu geben auf die veränderten Umstände des Lebens und erklären, warum wir doch nicht antreten. Und dann dieses ‚Scheitern‘, es nicht zu schaffen – wie ein ‚Makel‘: nicht gut genug zu sein, nicht genug gemacht zu haben, etc.pp. …. wir alle kennen diese Gedanken und Gefühle.

Inzwischen bin ich froh, ist dieses scheinbare Scheitern eine so wertvolle Lektion geworden – habe ich soviel über mich selbst und andere Menschen lernen können.

Und hey, geht es uns nicht allen einmal so: wir treten an mit Hoffnung, mit Zuversicht, tun das Beste, was möglich ist – und doch scheitert es. Und gerade, wenn man neue Wege geht, die noch nicht ‚ausgetretene Pfade‘ sind, holt man sich Kratzer und Blessuren, muss man ein Stück zurückgehen, weil man einen Weg eingeschlagen hat, der doch nicht dorthin führt, wohin man dachte.

Wenn ich auf die 4 Jahre von MenschBank, die 3 Jahre seit Vereinsgründung, zurückblicke, da war so viel Try & Error – und ich habe so-so viel gelernt davon. Ich glaube sogar, ich habe mehr aus den scheinbaren Misserfolgen gelernt und bin weitergekommen, als wenn alles ‚glatt‘ gelaufen wäre. Es waren die intensivsten und lehrreichsten Jahre – im praktischen Lernen – meines (Arbeits-)Lebens. Du kannst Leben nicht theoretisch lernen. Du musst es l-e-b-e-n. Und du brauchst echt Mut, dass es auch mal weh tut, weil du aneckst. Es muss dich auch nicht jeder verstehen – das, was du tust, wenn du etwas Neues schaffst, kann noch keiner verstehen – es entsteht ja gerade erst und häufig verstehst Du es selbst noch nicht. Doch Du fühlst in Dir, dass es getan werden will – und mit aller Konsequenz gehst Du dafür.

Alles, was es braucht, ist Deine eigene Hingabe an Deine Vision. Es braucht Deinen Mut, Deine Liebe und Deine weiche Zielstrebigkeit. Nicht ein verbissenes Kämpfen, sondern ein hingebungsvolles Tun. Dann wirst Du auch ‚weich‘ im scheinbaren Scheitern – denn nicht alle Ziele, die Du glaubst, dass sie Dir dienen, tun es zu diesem Zeitpunkt schon. Und über die Zeit werden auf diese Weise auch die ‚verrücktesten‘ Visionen Wirklichkeit. 

Und das Geld?!

Das wird dann tatsächlich nur Mittel zum Zweck. Wenn Du es hast, investierst Du es und kannst möglicherweise schneller vorangehen. Wenn Du es nicht hast, findest Du Mittel und Wege, auch ohne Geld Deine Vision zu leben. Mit viel mehr innerer Freiheit, die Dich auf die Geschenke des Lebens antworten lassen. Die Dich ‚Scheitern‘ als das erkennen lassen, was es wirklich ist: eine Lektion des Lebens, genauso wie Erfolg. Nichts ist besser, nichts ist schlechter. Und alles zusammen ist LEBEN.

Wenn Du lesen magst, wie es mit den Fearless Girls weitergeht – und es geht gerade erst los, dann geh gern auf unsere Webseite und/oder lies unseren aktuellen Monatsreport Fearless Girls 06.2019.

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