MenschBank und die Presse…

Wir haben großen Respekt vor der Presse und wir haben noch größeren Respekt vor deren Lesern, vor allem in den sozialen Medien. Unsere Themen bei MenschBank sind zu komplex, als dass man sie umfassend in einem kurzen Artikel beleuchten könnte und so besteht die Möglichkeit, allzu schnell in die eine oder andere Schublade gesteckt zu werden oder eben Gräben zu vertiefen, wo wir doch Brücken bauen möchten.

Vor allem bei dem Thema ‚Finanzbildung für Schüler‘, das uns ja in besonderem Maße am Herzen liegt, kann es sehr schnell passieren, dass Erfahrungen, ob nun selbst gemacht oder vom Hörensagen, mit Einzelnen aus den beteiligten Personengruppen – Schüler, Lehrer, Praxispartner (z.B. Banker), Eltern, Politiker (z.B. Bildungsministerium) – pauschaliert werden und so eher Mauern als Brücken entstehen lassen.

In den zahlreichen Einzelgesprächen durften wir erkennen, wieviel Achtsamkeit und wirkliches Interesse an der Position des anderen es braucht – und letztendlich wieviel Zeit es dann auch kosten kann, Vertrauen und damit die Basis für gemeinsames Wirken ganz neu entstehen zu lassen. Zu viele Versuche gab es bereits, um das Thema Finanzbildung den Schülern näher zu bringen – und zu viele dieser Versuche sind gescheitert und haben häufig Enttäuschung und ‚verbrannte Erde‘ hinterlassen.

Genau deshalb wollen wir mit unserer Herangehensweise an das Thema (konkret auch mit unserem Jugendwirtschaftskongress im Oktober 2017 in Dresden) alle Beteiligten ins Boot holen – die Lehrer und Praxispartner, die Eltern und die Politik, die älteren Menschen und vor allem die Schüler und natürlich auch die Medien. Wir wollen eine wirklich tragende Brücke in einem gemeinsamen Prozess bauen – ähnlich dem, wie unsere sächsische Göltzschtalbrücke entstanden ist. Keiner – kein Bundesland, keine Bank, keine Lehrer haben ein Konzept, das flächendeckend und wirklich nachhaltig funktioniert; also rufen wir auf, gemeinsam ein solches zu entwickeln.

Ein Artikel, der vor einigen Monaten über unser Finanzbildungsprojekt in einer Dresdner Tageszeitung erschien, war – obwohl sicherlich gut gemeint – an der ein oder anderen Stellen unglücklich formuliert und konnte schnell als Vorwurf oder Anklage verstanden werden. Und wurde es wohl auch – denn unser Wunsch nach einem persönlichen Gespräch mit einer Schlüsselperson wurde, mit Verweis auch auf unseren Artikel und klarer Stellungnahme hierzu, abgelehnt.

Uns wäre es am liebsten, eventuelle Artikel vor Veröffentlichung lesen zu dürfen, um wirklich sicherzustellen, dass wir richtig verstanden und die richtigen Worte gewählt wurden. Dies ist – auch verständlich – so nicht möglich. Und so schwanken wir zwischen ‚keine Presse‘ und doch den Anfragen der Presse nachgeben und im persönlichen Gespräch diese Themen anzusprechen und zu hoffen, dass der Redakteur den Bericht ‚moderat‘ und wenig polarisierend gestaltet; was natürlich dann wieder Leser kostet – weil zumindest in den regionalen Tageszeitungen braucht es Titel, die erst einmal aufhorchen lassen und ganz offensichtlich lesen Menschen noch immer lieber von ‚bad news‘ als von guten, innovativen Projekten.

Gestern nun wurde das zweite Mal über uns berichtet – noch immer ohne eine einzige Pressemitteilung unsererseits. Eine Boulevardzeitung hat über uns geschrieben – und titelt online mit den Worten ‚Diese Banker wollen Schülern was wichtiges beibringen!‘. Das Treffen mit dem Redakteur und dem Fotograf war großartig. Die zwei jungen Männer haben wirklich verstehen wollen, was wir tun und warum wir es tun. Ein ganz offenes und ehrliches und recht langes Gespräch – und letztendlich haben wir dabei festgestellt, dass die Presse in einer ähnlichen Misere steckt, wie die Banken:

Man hat kaum mehr Zeit, in Ruhe zu recherchieren. Ein unvergleichlicher Wettbewerb zwischen den Anbietern. Eine Pauschalisierung ‚DER‘ Presse. Und letztendlich kaum mehr Bereitschaft, Geld für Nachrichten zu bezahlen, sondern das Gefühl, man kann sich ja auch alles irgendwie selbst und v.a. gratis besorgen.

Schnell war klar, dass wir bei MenschBank Brückenbauer sind und wir als Kulisse für das zu machende Foto das Blaue Wunder wählen – auch, weil wir mit dem Wort ‚Blaues Wunder‘ uns immer wieder an unseren Blauen Planeten Erde erinnern und daran, dass Geldflüsse dem Leben auf der Erde dienen und unseren Lebensraum nicht zerstören sollten.

Nach dem Gespräch hatten wir echt Herzklopfen – wie würde der Artikel werden?! Viel mehr noch stieg das Herzklopfen, als wir ein paar Tage lang die Zeitung kauften und sahen, wie hier üblicherweise geschrieben wird und was, damit zusammenhängend, die Leser offensichtlich in der Zeitung sehen möchten. Und doch hatten wir ein Bauchgefühl von ‚es ist gut‘ und wir vertrauen einfach. Wir vertrauen vor allem dem Redakteur und dass unser Bauchgefühl uns hier recht gibt.

Ganz ehrlich: wir mögen den Artikel. Online noch mehr als in der ein wenig anderen Print-Version. Der Journalist hat echt einen Unterschied gemacht – und wir sind wirklich dankbar, dass er den Balanceakt zwischen für die Zielgruppe der Leser spannend und interesseweckend schreiben, in wenigen Sätzen das auf den Punkt bringen, worum es im Wesentlichen geht und doch nicht provozieren oder anklagen, sondern Zuversicht wecken.

Nachdem wir letzte Woche darüber gesprochen haben, dass wir jemanden brauchen, der Social Media für uns macht, bin ich schon fast versucht, eine gezielte Stellenausschreibung für den Journalisten zu formulieren – doch noch lieber ist uns, wenn Menschen wie er bei den Zeitungen bleiben und die Leser direkt oder indirekt ermutigen, ‚good news‘ lesen zu wollen und dies eben auch über Kommentare oder Klickzahlen direkt messbar zeigen und sich damit nachhaltig die Medienlandschaft verändert.

Einige unserer Leser meinten zum Artikel, dass er ja viel zu kurz sei, man über das Thema viel mehr sagen müsse. JA …. das ist so. Doch dafür wird es Zeit und Raum geben – und für die Leser dieser Tageszeitung ist es erst einmal gut, wie es ist. Und das Wichtigste hat der Redakteur mit einer Bildunterschrift auf den Punkt gebracht:

Wie man ethisch und moralisch verantwortungsvoll mit Geld umgehen kann, soll bald an den Schulen in Sachsen vermittelt werden.

(Titelfoto: Screenshot des Onlineportals der Tag24.de / Foto vor dem Blauen Wunder von Eric Münch)

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