MenschBank – Europa und zurück (de)

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„Nobody really has solutions, but the young is working on it.“ Prominenter Teilnehmer des FutureLab Europe 2017 annual forums

Ich (Martin Schneider) habe mich vor meiner Abreise gefragt, was an dem Gerücht, Brüssel ist wie eine große Wolke, die kaum einer wirklich fassen kann, wohl dran sein würde. Mich interessierte im Grunde weniger die Antwort, sondern wie DIE Stadt Europas zu diesem Gerücht gekommen ist. Warum? Nunja, wenn wir über die Vision und das Tun von MenschBank sprechen, werden wir auch gern als große unfassbare Wolke bezeichnet, auch wenn das aufgrund unserer jetzt konkreteren Projekte seltener vorkommt. Noch vor einigen Monaten habe ich dieses Kompliment eher als ein Defizit aufgefasst, das es durchaus ein schönes Gefühl ist, wenn man verstanden wird. Nachdem ich mich jedoch mit Schriften von Marcus Aurelius, Albert Einstein, Carl Gustav Jung, Werner Heisenberg, Geshe Michael Roach, Osho, Golas Thaddeus ect. beschäftigt habe, ist es bei der Entdeckung und Erschaffung von Neuem völlig normal, dass man es nicht einmal selbst sofort versteht. Wäre es so einfach, dann könnten wir wohl alle Probleme und Konflikte in Europa schon gelöst haben.

Genau das ist auch mein Eindruck von Brüssel. Alle dort angesiedelten auf Europa fokussierte Institutionen sind drauf und dran zu verstehen, wie Europa funktioniert und welche Mittel man aus diesen Erkenntnissen entwickeln kann, dass Europa morgen auch noch funktioniert. Jeder einzelne dort hat Lösungsansätze im Kopf und verfolgt sie und doch, habe ich selten Menschen getroffen, die behaupten, dass ihre Lösung absolut sein. Je intensiver und hinterfragender meine Fragen wurden, desto wahrscheinlicher war die Antwort: `Niemand hat wirklich eine Lösung, weil wir uns nicht 100% sicher sein können, dass es wirklich funktioniert. Wir können es nur austesten und daraus lernen.`

Ich mag sogar sagen, ohne Wolken der Unklarheit, wüssten wir gar nicht, wo wir nach Klarheit und Verständnis suchen sollten. Verständnis folgt dem Unverständnis, auch bei MenschBank.

Vermutlicher Weise passte deswegen das FutureLab Europe 2017 annual forum, für das ich mich mit Lösungsmangement, einer Methode alle Konflikte lösbar zu machen, wenn wir Verständnis auf der zwischenmenschlichen Ebene erzielen, neben 17 weiteren jungen Menschen aus 12 Ländern Europas ausgewählt wurde, so gut nach Brüssel. Keinem der Teilnehmer war zuvor bewusst, worum es dort überhaupt gehen würde, im Detail. Wir alle waren uns jedoch sicher, dass wir dort die Möglichkeit eingeräumt bekommen, Impulse für die Entwicklung der Zukunft Europas vor allem aktiv geben zu können.

Brüssel hat noch eine Eigenschaft, die mir gleich zu Beginn sofort auffiel, man wird dazu willkommen geheißen, überall neugierig seine Nase hineinzustecken. Egal, wen man aus den verschiedensten europäischen Institutionen befragt, selbst die Politiker stehen Rede und Antwort und lassen sich auch gern mal zu Aussagen hinreißen, die sie wohl sonst in aller Öffentlichkeit nicht ohne weiteres Preis geben würden. Auch wenn wir jungen Menschen und an der ein oder anderen Stelle etwas polarisierendere Kontroversen gewünscht hätten, um unsere Meinung mit noch mehr verschiedenen Perspektiven anzureichern. Jedoch waren die Diskussionen, die wir hatten, unglaublich spannend und haben Dinge preisgegeben, die man nicht von allen Medien erfährt.

Die knappe Woche in Brüssel wurde von einem Teilbereich des EPC in einer Art und Weise konzipiert, welche viele auch hochkarätige Konferenzen und dergleichen, die ich bisher erleben durfte, ein wenig blass aussehen lassen sollte. Wir waren so gut wie immer im Zeitplan, hatten immer die Möglichkeit, Fragen zu stellen und wenn auch nicht immer in aller Ausführlichkeit zu diskutieren, die Mischung aus theoretischen Input und praktischer Arbeit an unseren Projekten stimmte, das Essen war ein Traum durch die Brüssler Küche und es gab überraschend viel Raum dafür, dass wir uns alle auf einer sehr persönlichen Ebene als Menschen kennen lernen konnten.

Gut und schön, dass wir jeden Abend stundenlang bei einem mind. 3-Gang Menu alle möglichen Köstlichkeiten probierten und uns sehr unterhaltsam bei Wein über die Marotten der jeweiligen Nationen lustig machten. Doch was haben wir da eigentlich getrieben?

Nachdem wir uns die verschiedenen Herausforderungen, die sich Europa aktuell zu stellen hat, angehört und in Diskussionen ausgeleuchtet, sowie verschiedene Lösungsansätze einiger europäischer Institutionen wie dem European Policy Center, The Democratic Society, European Citizen Action Service, und dem European Youth Forum besprochen hatten, teilte man unsere Projekte und Ideen, mit denen wir uns beworben hatten, Gruppen zu, die jeweils thematisch ein Ziel verfolgten, das jene teilten, um in jeder Gruppe insgesamt 5 Projekte für verschiedene europäische Entwicklungen im Jahr 2017 mit einem Gesamtbudget von 25.000€ praktisch umzusetzen. Das war auch der neue Aspekt des FutureLab Europe in diesem Jahr. Zuvor war der Fokus darauf gelegt, die jungen Ideengeber direkt auf verschiedene Policy Makern treffen zu lassen, um primär verschiedene Ideen zu diskutieren und dann ein konkretes Projekt entstehen zu lassen.

Und obwohl das Team um Claire Dhéret, Tania Marocchi und Leonie Eland damit Neuland betrat, zeigte sich hier wieder nicht nur ihre Professionalität, sondern auch ihre Beziehung zu den Bedürfnissen der Menschen. Denn nachdem wir uns bereits besser kennen gelernt hatten, stellten wir fest, dass ein persönliches Gespräch viel mehr aussagt, als ein Projektpapier. Wir erkannten an der ein oder anderen Stelle, dass es Sinn macht, einige Teilnehmer der Gruppen auszutauschen. Die Herausforderung bestand nun darin, den Zeitplan zu halten und kein Chaos entstehen zu lassen, eben weil es im Plan nicht so vorgesehen war und das Risiko des Ungewohnten in sich barg. Die meisten professionellen Konferenzen hätten dem Tausch Einhalt geboten. Nicht jedoch das FutureLab Europe Team. Nach ganz kurzem Überlegen gingen sie auf den Vorschlag einer Teilnehmerin ein, dass sich jeder noch einmal mit seiner Kernidee kurz vorstellt und dann formuliert, in welche Gruppe er am besten passen würde. Während die Teilnehmer die Mittagspause nutzen, um sich zu stärken, blieben ich und das Team, um die Zusammensetzung neu auf die Füße zu stellen.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich mittlerweile einen Spitznamen erhalten hatte: „Der Joker.“ Bevor ich zu dieser Ehrung kam, hatte ich eine Entscheidung getroffen.

Ich kam nach Brüssel, um Lösungsmanagement – eine Methode mit Hilfe von Verständnis und Werte jeden Konflikt in eine Lösung zu verwandeln – vorzustellen, Unterstützer, Anwendungsfelder sowie Gelder zur Umsetzung zu finden und den anderen 17 jungen Menschen aus allen Teilen Europas bei der Umsetzung ihrer Projekte und Ideen zu helfen.

 

wertekatalyse

 

In den 4 Tagen habe ich diesen Wunsch auch erfüllt bekommen, nur genau umgekehrt. Als ich festgestellt habe, dass ich mit meinen Erfahrungen, Fähigkeiten und meinem Wissen einem der 5 Teams bei der Umsetzung ihrer großartigen Ideen und mit denen uns durch 7 Stiftungen gegebenen Möglichkeiten wesentlich effektiver helfen könnte, konzentrierte ich mich einfach darauf, ihnen all das zur Verfügung zu stellen, was ich nach Brüssel mitgebracht hatte. Ich sagte also in der Vorstellungsrunde, dass ich anstatt mein eigenes Projekt umzusetzen, dort unterstützen möchte, wo man mich mit meinen Fähigkeiten am besten einsetzen kann. Das Tolle daran war schlicht, dass ich dann dort auch den größtmöglichen Spaß haben würde, wenn ich das tue, was ich am besten kann.

Nach der Mittagspause dann geschah etwas Wunderbares. Nicht nur, dass wir mit der neuen Gruppenzusammensetzung den meisten Wünschen entsprechen konnten bzw. wir gute Herausforderungen zu Wachsen geschaffen hatten. Darüber hinaus begannen einige aus der Runde, meinem Beispiel zu folgen und ihre Unterstützung mehr als ihr eigenes Projekt anzubieten.

Am Ende hatten wir dann nicht nur unglaublich viel kreativen Spaß. Ohne es bewusst mitbekommen zu haben, trug das Projekt, dass ich nur unterstützen wollte, dann den Namen „Bridge“ und beschäftigt sich damit, den Bürgern in 2 verschiedenen Städten Europas die Möglichkeit zu geben, für Ihre Probleme innerhalb ihrer Community Lösungen zu finden, indem wir sie mit den Menschen zusammenbringen, die solche Lösungen gern bereit sind, zur Verfügung zu stellen. Das Motto: „Oh, I can do that!“ Und auf einmal war ich der gewählte Projektleader mit außergewöhnlich talentierten Teammitgliederm aus Frankreich und Spanien in einem Projekt, indem ich meine Methode in einem Umfang austesten kann, den ich mir zuvor nicht einmal ausgemalt habe.

Manchmal ist es einfach nur wichtig, andere bei dem zu unterstützen, was man selbst erreichen mag. Und am Ende entsteht für alle noch viel mehr als das. Unglaublich, wie kreativ und engagiert diese jungen Menschen sind. Europa scheint mir für die Zukunft in guten Händen. Zumal auch Brüssel etwas mehr gesunden Optimismus vertragen darf.

Besonders interessant fand ich, dass ich in dem Bewusstsein der Verschiedenheit der Vertreter Europas wohl auch aufgrund der Tatsache, dass ich nur noch selten mitbekomme, Englisch oder Deutsch zu sprechen, jedenfalls bewusst mit allen Teilnehmern gleich interagiert habe. Für mich gab es nicht die Finnin, den Rumänen oder die Griechin. Für mich gab es nur den Menschen. Ich habe mich gefühlt, wie in einem Meeting zu Hause in Dresden unter Deutschen.

Vielen Dank an das gesamte FutureLab Europe Team für diese intensive Erfahrung.

Ich bin schon gespannt, auf die Umsetzung unseres „Bridge“ – Projekts. Aktuell warten wir auf die Finanzierungsbestätigung.

Zwei Dinge mag ich gern noch ergänzen.

  1. Wenn auf dem Annual Forum davon gesprochen wird, dass niemand wirklich Lösungen hat, dann beschreibt diese Feststellung exakt das, wobei Lösungsmanagement unterstützt. Zu wissen, dass man keine Lösung hat, ist mit Lösungsmanagement etwas Wunderbares. Denn nicht nur, dass man den Konflikt erkannt hat, man weiß auch, dass eine Lösung nur eine Frage der Zeit ist. Den Weg von einem Konflikt hin zu einer Lösung geht immer nur in eine Richtung. Wenn wir also noch nicht bei der Lösung angelangt sind, dann befinden wir uns auf dem Weg dahin.
  2. Als ein weiterer der Referenten davon sprach, dass Demokratie bedeutet, wenn wichtige gesellschaftliche Produkte oder Dienstleistungen allen (ohne Einschränkungen) zur Verfügung stehen, war mir wieder einmal bewusstgeworden, das Lösungsmanagement ein Tool ist, dass eben diesem Prinzip der fairen Verfügbarkeit entsprechen darf. Lösungsmanagement bleibt kostenlos und für alle verfüg- und einsetzbar.

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