MenschBank auf dem Kongress des Bundesverbands für Mediation

Am gestrigen Tag waren wir vom Bundesverband für Mediation eingeladen, unser Konzept ‚Lösungsmanagement‘ in einem Workshop einem sehr offenen und fachlich versierten Publikum vorzustellen. Wir möchten uns an dieser Stelle für einen hervorragend vorbereiteten und durchgeführten Kongress sowie die Chance, MenschBank der Öffentlichkeit vorzustellen, recht herzlich vor allem bei Anja Wunder und Kerstin Broschell bedanken. Durch die Vielfalt der kreativen Köpfe vor Ort und einer großen Offenheit, sich auszutauschen und einander mit vielen Impulsen und Kontakten zu unterstützen, konnten auch wir uns und unsere Konzeption weiterentwickeln.

Vielfalt neu denken war und ist auch noch am heutigen Tag das Motto des Kongresses. Im Hinblick auf die Wahl des Austragungsortes 2016 – Dresden – wurde auch schon in den ersten Vorträgen klar, dass diese Stadt nicht nur in der Presse seit vielen Monaten im Fokus verschiedenster Diskussionen um das Thema Vielfalt, Offenheit und Respekt steht. Und mittendrin waren wir: mit der Vorstellung eines neuartigen Mediationsansatz für die Banken- und Finanzwelt, was sicherlich nicht unmittelbar zu diesem Fokus passte, jedoch umgedreht der ausgegebene Slogan des Kongresses perfekt auf unseren Ansatz speziell in der Finanzbranche.

Lösungsmanagement selbst ist ein Querdenker-Konzept, weil wir zum einen den grundsätzlich guten Ansatz der Mediation neu denken und zum anderen nicht nur auf diesem Kongress eine Rarität waren und so unweigerlich zur Vielfalt der Themen und Methodiken der Mediation beitragen durften.

fullsizerender

Und nicht nur das – der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, sprach davon, dass Transformationsprozesse erschöpfen können und wir trotz all unserer gut gemeinten Forderungen, Verständnis zeigen sollten, wenn nicht alles sofort funktioniert. Dr. Ruth Seliger, systematische Organisationsberaterin, erklärte uns den VUCA – Effekt (volatility, uncertainty, complexity and ambiguity oder Schwankung, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit) in der Unternehmenswelt und welche neuen Herausforderung dadurch entstehen.

Man konnte meinen, sie sprechen über die Finanzwelt. Große Banken kämpfen um ihre Existenz- und Daseinsberechtigung getrieben von Rechtstreitigkeiten, Regulierungsprozessen, Zinsentwicklungen und nicht zuletzt Vertrauensverlusten in der Gesellschaft. Gerade sie bekommen das erschöpfende Moment einer notwendigen Transformation mehr als nur zu spüren. Haben wir auch hier Verständnis dafür, was die Menschen in den Banken da gerade durchmachen?

Schwankungen, Unsicherheiten, Komplexitäten und Undurchsichtigkeiten/Vieldeutigkeiten scheinen die Branche kaum besser beschreiben zu können. Dr. Ruth Seliger sprach davon, dass die Menschen Halt brauchen und suchen, als einen Lösungsvorschlag – ist das in der Bankenwelt überhaupt noch möglich?

Und dann sitze ich als Vertreter von MenschBank in einem Workshop mit 29 Mediatoren in einer Vorstellungsrunde, jeder erhält einen Satz, der bei mir sich ungefähr so anhörte:

„MenschBank ist eine Initiative für Mensch und Werte. Wir entwickeln ein Tool, das darin unterstützt, jeden Konflikt in eine Lösung zu transformieren, indem wir den Beteiligten helfen, sich ihrer eigenen Werte und dem Ursprung ihrer Interessen, bewusst zu werden.“

Unmittelbar nach dem Workshop erfolgte die erste Anfrage eines Bloggers nach einem kurzen Interview mit der Begründung: „Das klang von allem, was ich gehört habe, sehr interessant, nur so richtig verstanden habe ich es noch nicht.“ Als ich ihm dann verraten habe, dass wir dieses Tool zunächst in der Banken- und Finanzwelt einsetzen, war er noch irritierter…

Auch in meinem eigenen Workshop wurde mir offenbart, dass man Werte im Kontext von Mediation sich noch vorstellen könnte, jedoch die Verbindung von Banken und Werte eher im Bereich des Unvorstellbaren anzusiedeln sei. Noch bevor ich Ihnen dann unsere Idee bei MenschBank und das Lösungsmanagementkonzept vorstellte, fiel mir ein Ausspruch abermals aus dem Vortrag von Dr. Ruth Seliger wieder ein.

„In einer Krise steht alles zu Disposition.“

Meine Antwort war also sehr simpel: Selbst wenn die Banken bisher mit Werten nichts am Hut gehabt hätten, ist womöglich jetzt der beste Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen. Schließlich machen das werteorientierte Banken wie die GLS Bank, Triodos Bank oder die Sparda-Bank München vor, wie nachhaltig erfolgreich das sein kann. So sehr wollte ich diesen Punkt ursprünglich gar nicht thematisieren, jedoch schien das Interesse über die Mechanismen und Wirkungsweisen in der Finanzwelt von sehr großem Interesse zu sein.

Das hat mich dann doch etwas verwundert. Also habe ich nachgefragt. Warum scheinen die Mediatoren so wenig über die Finanzwelt zu wissen und aus welchem Grund finden wir Mediation weniger als nur selten in deutschen Bankhäusern? Die Antwort war wenig verwunderlich und doch sehr ernüchternd:

Beide Welten – Mediation und Banken – wissen kaum etwas voneinander. Und das, was sie wissen, kann man vorsichtig als Vorurteile bezeichnen.

Für viele Banken sind Mediatoren, überspitzt formuliert, pantoffeltragende Lösungsesoteriker, die mit zu alternativen Methoden das nötige Maß an Seriosität nicht erreichen. Für viele Mediatoren sind Banken und Banker sture Maschinen, die nur durch Zahlen und Nutzendenken getrieben, den Sinn für das Wesentliche im Leben verloren haben. Man kennt sich nicht, deswegen traut man sich nicht so recht und vermeidet es folglich, miteinander zu reden.

Was wir in Gesprächen mit den Mediatoren und den Banken immer wieder heraushören, ist folgendes: Die Banken behaupten, sie haben keine Konflikte und die Mediatoren verstehen die Banken einfach nicht und lassen auch deshalb die Finger davon. Unsere Beobachtungen sind jedoch die, dass sich beide viel dringender benötigen, als sie bisher zugeben wollen.

Genau darin besteht, wieder einmal, die Aufgabe von MenschBank. Zu erkennen, welche Unternehmungen miteinander für das Gemeinwohl wirken sollten und dann Brücken aus Verständnis, Respekt und Anerkennung der Leistung für die Gesellschaft zu bauen. Wenn wir Konflikte lösen wollen, dann schaffen wir das nur mit den Lösungsideen der Banken und derer, die sich jeden Tag ununterbrochen mit Konfliktlösungen beschäftigen und mit ihrer Expertise helfen können: den Mediatoren.

Aus diesem Grund habe ich 55 Minuten lang Fragen über die Bedürfnisse der Mediatoren und der Banken beantwortet und lediglich 5 Minuten über das Konzept selbst gesprochen. Wobei, nehmen wir es genau, ist genau das schon Lösungsmanagement: Menschen zuhören, Menschen verstehen wollen, Menschen wertschätzen, um dann den Raum für nachvollziehbare, nachhaltige und werteorientierte Lösungen zu schaffen.

Wir werden erstaunt sein, wie einig wir uns bereits sind, wenn wir uns mit unseren Werten beschäftigen. Und ab dem Punkt ist es quasi ein Spaziergang, Lösungen zu finden, die alle Lächeln lassen.

Wenn eine erfahrene Beraterin wie Dr. Ruth Seliger die These aufstellt, dass sich die Energie und Motivation unserer Handlungen aus Sinn, Zuversicht und Einfluss der Gemeinschaftlichkeit speist, dann können wir mit Lösungsmanagement zu dem Wandel, den sich so viele wünschen, aktiv beitragen.

Der Kongress und der Austausch mit den Mediationsexperten (und deren Vorbehalte der Branche gegenüber) haben mich bestätigt, motiviert und inspiriert, die Konzeption nochmals zu ergänzen, weiter mit offenen Menschen in und um die Branche weiter auszutesten und bis zum Ende des Jahres vollständig verschriftlicht zu haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

62 + = 65