Jugendliche und Manager – wer lernt von wem?

Durch eine ‚optimierte Form der Wahrheit‘ hat sich heute ein charmanter Chat mit dem Harvard Business Manager – Magazin ergeben, den ich hier gerne zitieren möchte (auch um deutlich zu machen, wie wir ‚arbeiten‘) und gleichzeitig diesen als Anlass nehme, unser Jugendprojekt näher vor dem Hintergrund des Lerneffekts für Bankmanager und Führungskräfte der Branche zu beleuchten:

bildschirmfoto-2016-12-22-um-10-16-59MenschBank:
Hallo liebes Harvard Business Manager-Magazin,
wir möchten fragen / Euch bitten, ob Ihr unser Schülerprojekt ‚Finanzbildung für Schüler‘ mit einem gesponserten Abo unterstützen wollt. In einem Pilotprojekt richten wir uns an v.a. 16/17 jährige Schüler – nähere Infos in unserem Crowdfunding zu diesem Projekt: www.finanzbildung-fuer-schueler.de
Wir selbst sind ein gemeinnütziger Verein. Finanzbildung für Schüler ist nur einer unserer Schwerpunkte. Wir freuen uns, von Ihnen/Euch zu hören. Viele Grüße Silke Hohmuth

Harvard Business Manager:
Hallo Frau Hohmuth, Ihre Initiative klingt spannend, nur bin ich mir nicht ganz sicher, ob Sie bei uns richtig sind: Wir schreiben über Management-Themen für Führungskräfte, nicht über Finanzen und die Texte sind extrem komplex – ich fürchte fast, Schüler würden wir hiermit eher abschrecken. Kennen Sie unser Heft? Beste Grüße!! Helene Endres

MenschBank:
Ja, natürlich kenne ich es. Und bin sehr davon begeistert. Unsere Zielgruppe sind ‚Fast-Erwachsene‘, die mit Erwachsenen sprechen und hier sehr kritische Fragen stellen. Für den Herbst 2017 planen wir einen Wirtschaftskongress, bei dem wir in heterogenen Workshopgruppen Jugendliche und Erwachsene zusammenarbeiten lassen. Die Jugendlichen, mit denen wir zusammenarbeiten, sind supersmart und echt interessiert.
Doch lassen Sie mich gerne die Probe aufs Exempel machen:
Wenn mein 17jähriger Sohn heute nach Hause kommt, gebe ich ihm mal eines Ihrer Magazine zu lesen und schau mal, was er dazu sagt. Ich melde mich nochmal. Bis dahin. Herzliche Grüße Silke Hohmuth

Harvard Business Manager
Na, dann sind wir mal sehr gespannt auf das Experiment! Vielleicht fangen Sie nicht gleich mit den 25-Seitern an, wäre zu bitter für uns… 😉

Wie kam es dazu und warum ‚optimierte Form der Wahrheit‘. Nun, das ist einfach gesagt: ich bin totaler Fan dieses Magazins. Wirklich. Ich liebe es, ich lese es – und, nachdem ich aktuell kein Managergehalt habe, überlege ich echt nicht nur zweimal, ob die Themen mir die 14,50 Euro (sofort) wert sind oder ich warte und vertraue, dass das Heft über indirekte Wege zu mir kommt. Und nachdem wir ja bald Weihnachten haben – und wir heute ganz easy von einem anderen Wirtschaftsverlag ganz zufällig über die Diskussion zu einem Beitrag ein Abo erhalten haben, sagte ich zu meinem Projektpartner ‚Weißt Du, was ich mir zu Weihnachten schenke?! – Ein Abo vom Harvard Manager Magazin, ich schreib die gleich mal an, ob sie uns ein Jahresabo sponsern!!‘. Insofern ist die Zielgruppe ‚Jugendliche‘ zunächst vorgeschoben. Doch, das Magazin ist nicht nur für mich, für mein Privatvergnügen bzw. Inspiration und Bestätigung für meine Dialoge mit Bankvorständen oder -Managern, sondern werden hier Themen besprochen, die auch in die Inhalte unseres Schülerbildungsprojektes einfließen. Finanzbildung beinhaltet für uns Inhalte rund um ‚Geld – Werte – Wirtschaft‘ und nachdem wir MENSCH-Bank heißen, natürlich die menschliche Beziehungsebenen (ich mit mir, ich mit anderen -Kollegen, Mitarbeitern, Führungskräften, Kunden-, ich mit der Gesellschaft) zu den jeweiligen Aspekten. Gleichzeitig betrachten wir diese Aspekte vor dem zeitlichen Hintergrund, denn nur, wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft wirklich frei gestalten. Dies gilt auch für die Finanzbranche.

Und genau hier würde die oben zitierte Mitarbeiterin vermutlich zustimmen, dass dies genau Themen des Harvard Business Managers sind.

Wer dieses Magazin kennt, weiß vermutlich, weshalb ich so großer Fan davon bin. Es ist wirklich großartig. Und gleichzeitig ahnt man möglicherweise auch, weshalb ich schon oft den Kopf schüttelte, wenn ich in Banken, für die ich arbeitete, das Magazin auf einem Stapel von allen möglichen Fachmagazinen liegen sah, in die Hand nahm, in völliger Begeisterung über einen Artikel mit den Managern vor Ort in Austausch gehen wollte und diese, meist ‚very busy‘ die Köpfe hoben, mit den Achseln zuckten und klar war, man hat die Magazine zwar in der Bank, doch Zeit zum Lesen ist keine. …. Wer mich wiederum kennt, weiß, dass ich nicht locker lasse – und genau über diese Themen spreche, spätestens beim Mittagessen oder abends an der Bar – und aus dem Achselzucken ein Kopfnicken wird und zumindest Schritt-für-Schritt ein Bewusstsein entsteht, dass das Einnehmen neuer Blickwinkel, neue Perspektiven öffnet und man (also Manager) sich dem ein oder anderen, vielleicht aktuell noch fremden, Thema wirklich gut nähern kann. Letztendlich fördert dies Kreativität und Innovation, die heute mehr denn je so wichtig sind in der Branche.

Insofern ist der HBM für mich ein echter Brückenbauer zwischen den Themen der neuen Zeit und der immer noch vorherrschenden (reinen) Zahlen-Daten-Fakten – Denke vieler Manager. Und das wirklich Coole für mich ist, dass ganz offensichtlich durch die Art und Weise, wie der HBM darüber schreibt, tatsächlich eine Annäherung bzw. Öffnung möglich ist.

Doch zurück zum Dialog mit dem HBM hinsichtlich der Jugendlichen. Wird mein Sohn dieses Magazin mögen?! Nun, wie das mit 17jährigen so kurz vor Weihnachten ist – er kam erst 22 Uhr nach Hause (vorher WhatsApp ’nachher holt mich eine Freundin nach der Klausur ab und wir gehen in die Stadt‘) und da hab ich ihm natürlich keines der Harvard Business Manager Magazine in die Hand gedrückt, dass er es schnell liest und Feedback gibt…. und doch kenn ich meinen Sohn und bin mir sehr sicher, dass er es gut finden und ‚verstehen‘ wird. Warum ich mir so sicher bin?!
Nun, für unser Schülerprojekt bitten wir gerade Verlage um gute Bücher zu den Themen ‚Geld – Werte – Wirtschaft‘, dies sind ‚ErwachsenenBücher‘, teils mit internationalen Wirtschaftspreisen ausgestattet, und dienen Jugendlichen als Inspiration für ihre Hausarbeiten, z.B. BELLs oder komplexe Leistungen.

Letzte Woche kamen Bücher  von Geshe Michael Roach, einem buddhistischen Mönch, Unternehmer und Managementtrainer, der auch im aktuellen Harvard Business Manager ‚Der achtsame Manager‘ mit einem Interview portraitiert ist.

Ausgewählt haben wir seine Bücher ‚Der Diamantenschneider‘ und ‚Karmic Management‘, weil in den Gesprächen mit den Jugendlichen uns drei maßgebliche Aspekte aufgefallen sind, die ihnen wichtig sind, und auf die es in diesen Büchern Antworten gibt:

  1. Wie kann man Geld vermehren? (ohne, dass man damit andere Menschen schädigt oder die Natur zerstört)
  2. Was braucht man, um glücklich zu sein?
  3. Was kann man als Schüler tun – jetzt und hier – um glücklich zu sein und für das Leben so viel Geld zu haben, dass man all das machen kann, was man möchte.

Mein Sohn sah die Bücher auf dem Esszimmertisch liegen – liest die Rückseite und fragt, ob er jeweils ein Exemplar selbst lesen dürfe…. 😉

Ganz ehrlich, als ich heute Mittag die Antwort las, dass das Magazin nichts für Schüler sei, war ich zunächst genervt und verärgert. Weil es uns so häufig begegnet, dass Jugendliche so gesehen werden, als müsse man ihnen etwas beibringen, müssten sie erst Abitur, Studium und Berufspraxis haben, bevor man wirklich auf Augenhöhe mit ihnen über Geld- und Wirtschaftssprechen kann. Unsere Erfahrungen mit den Jugendlichen sind ganz andere. Die sind soooo cool und so wach und smart. Und ich lehne mich jetzt ein wenig aus dem Fenster, wenn ich folgende Hypothese aufstelle:

Jugendliche können diese neuen Inhalte, neuen Managementtools, Bewusstsein um die Notwendigkeit und den Erfolg von ethischer Wirtschaft häufig viel leichter begreifen und umsetzen als erwachsene Manager, die in ihren Jobs, ihrer Maschinerie, ja: ihrem Hamsterrad ‚gefangen‘ sind.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage, dass vieles, was ganz natürlich in unserem Sein als Menschen angelegt ist, durch beispielsweise ein heute übliches BWL-Studium abtrainiert und ein Bewusstsein von Wettbewerb und Mangel geschaffen wird.

Wie kann ich das behaupten?! Nun, ich selbst habe kein Studium und habe noch nie in den verschiedenen Positionen und Funktionen, in denen ich als Bankerin war, beispielsweise die Idee von Wettbewerb verstanden und auf meine natürliche Art häufig (eigentlich im klassischen Sinn) Konkurrenten als Unterstützer gewonnen und Brücken geschlagen. Außerdem berufe ich mich auf Gespräche und Vorträge von Christian Felber (Begründer der Gemeinwohl-Ökonomie) und Gregor Sieböck, Ex-Weltbanker und heute Weltenwanderer, die beide in der verlinkten Beiträgen auf diesen Fakt hinweisen (Die Zeit zum Anhören auch der gesamten Beiträge ist gut investiert).

Wir bei MenschBank haben die große Zuversicht, dass die Jugendlichen, wenn wir heute offen und ehrlich zu ihnen sind, Ihnen das Wissen, was wir selbst erst nach Burnout, schwerem Schicksalsschlag oder Krankheit, einer längeren Auszeit oder z.B. langer Praxis in Mediation und Yoga oder ähnlichem erlangen ….. dass wir ihnen diese Erkenntnisse, dieses sehr persönliche und menschliche Wissen mitgeben, sie sich daran erinnern werden.
Sie werden die Inhalte, die sie dann im Studium lernen, mit ganz anderen Augen betrachten. Und sie werden unsere Wirtschaft, von der wir alle wissen, dass wir sie so nicht weiter (be)treiben können, mit ihre Klarheit und Offenheit auf ganz natürlich und smarte Weise in einem guten Miteinander mit Generationen, die im Arbeitsleben stehen und jenen, die bereits Richtung Pension gehen oder bereits sind, neu und zukunftsfähig gestalten.

Mein Sohn Max sagte, nachdem er einige Interviews für ‚Finanzbildung für Schüler‘ geführt hat:

Ich will nicht mehr mit Bankern über Finanzen, sondern mit Menschen über Geld sprechen. Ich glaube, Ihr (Erwachsenen) habt alle irgendwann in Eurem Leben etwas erkannt/entdeckt, das Euer Leben beeinflusst hat. Wäre es nicht gut, wenn Ihr uns davon erzählt?!

Unser offenes und ehrliches Erzählen, unser Mut, uns menschlich und berührbar zu zeigen – mit unseren Träumen und Visionen als Menschen und nicht rein als Businesspersonen – und uns eben nicht hinter Wirtschaftstheorien, Börsenplanspielen, Management-Positionen zu verstecken, ist der erste Schritt auf die Jugendlichen zu – was wir zurück erhalten ist eine so pure Klarheit, Innovation und Kreativität, in Geld gerechnet, von unbezahlbarem Wert.

Darum geht es bei ‚Finanzbildung für Schüler‘ wirklich: offen und ehrlich mit Jugendlichen in Austausch zu Finanzthemen zu gehen. Klar, sie (auch) auf die Rahmenbedingungen und Anforderungen der heutigen Finanzwelt vorzubereiten, doch darüberhinaus unsere ‚Finanzlösungen‘, die ja wie uns allen bewusst ist, häufig Sackgassen oder große Blasen sind, zu hinterfragen und wirklich neu zu denken.

Dies unterscheidet uns auch von allen anderen Initiativen, die Finanzwissen an die Schulen bringen wollen.

Wir sehen diesen Schatz, den wir da entdeckt haben und langsam heben, als einen unfassbar großen Rohdiamanten, der wirklich nur mit großer Verantwortung und Achtsamkeit ‚bearbeitet‘ werden darf.

Ich selbst bin immer sehr dankbar, wenn mein Sohn mit Bank-oder Wirtschafts-Menschen zu tun hat und mit sehr viel weniger Worten als ich, doch sehr klar und auf den Punkt ausdrückt, was er wahr nimmt. Und ich ahne, was möglich sein kann, wenn wir Erwachsenen dieser Wahrnehmung mit Offenheit begegnen.
was antworte ich nun dem Harvard Business Magazin?! Muss man studiert haben und Manager sein, um die Inhalte dieses so großartigen Magazins zu verstehen?! Und wäre es wirklich ‚bitter‘, wenn ich als Nicht-Studierte, dieses Magazin als eines meiner Lieblingshefte bezeichne und/oder Jugendliche die Themen spannend finden und (möglicherweise mit Nachfragen) verstehen?!

Nun einerseits werden Schüler mehr und mehr mit Managementthemen zu tun haben – speziell in unserem Jugendprojekt greifen wir ‚eingetragene Schülergenossenschaften‚ auf. Hier erfahren Schüler ganz lebendig, was es bedeutet, ihre Träume zu leben, ihr Potenzial zu entdecken, ihren Stärken entsprechend zusammen zu wirken, ein Team zu managen und die Zeit gut einzuteilen. Ein Projekt zu planen oder zu prüfen, welche Organisationsstruktur für ihre Genossenschaft die Richtige ist. Alles Themen, die sie im Harvard Business Manager nachlesen und mit ihren Praxispartnern besprechen können. Und allein deshalb hoffe ich, dass das Magazin so gut lesbar bleibt – möglicherweise sogar hin und wieder einen Beitrag speziell für diese ganz junge Zielgruppe hat 😉

Liebes HBM, Eure so menschlich wertvollen Themen und Eure Sprache, die eben nicht nur auf Verstandesebene wirkt, ist so wichtig für Eure definierte Zielgruppe – ich habe regelmäßig mit ihnen zu tun und viel mehr von Ihnen sollte sich die Zeit nehmen, und das Magazin nicht nur zu abonnieren, sondern auch zu lesen und den ein oder anderen Tipp umzusetzen.

Ihr müsst bleiben, wie Ihr seid – denn, nun verrate ich Euch noch ein Geheimnis, ganz oft beziehe ich mich auf Euch, denn wenn IHR über ein Thema schreibt, dann muss ja was dran sein (glauben die Manager) …. Häufig sind das Themen, die ich eh schon länger in mir bewege und nach einem Weg suche, dies gut mit der Businesswelt zu verweben. Hier seid Ihr einfach echt Vorbild für mich – und ich ne begeisterte Leserin von Euch.

So, damit wisst Ihr jetzt, warum ich wirklich-wirklich so gerne ein gesponsertes Abo für unseren gemeinnützigen Verein möchte, in dem wir das #SchillerPrinzip leben: jeder teilt, was er (übrig) hat und gerne gibt.

Das #SchillerPrinzip ist übrigens eines der Dinge, über die wir mit den Managern sprechen werden. Es erinnert an Friedrich von Schiller’s ‚An die Freude‘ und beschreibt diesen unglaublichen (inneren) Reichtum, der im ‚Teilen aus der Freude‘ entsteht.

Macht Euch gerne ein Bild von Max und mir und dem, was Manager und Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige, von uns lernen können; glaubt mir, der Mehrwert durch diese junge Generation für die Manager und damit Eure Leserschaft, ist enorm. Fühlt Euch, fühlen Sie sich, liebe Helene Endres, herzlich eingeladen. Einfach als Mensch – und DANKE Ihnen für diesen kleinen Dialog; Sie sehen, was er ausgelöst hat.

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