Fair Finance Week 2016

Wie kann Banking fair gestaltet werden? Welche Rolle spielt Geld für den gesellschaftlichen Wandel?

Diese Frage stellten sich die Referenten und über 100 Gäste zur Fair Finance Week 2016 in Frankfurt am Main. Eine Woche wurden jeden Abend praktisch erprobte Lösungen und Überlegungen sowie Denkansätze verschiedener Experten vorgestellt und diskutiert. MenschBank war mittendrin.

Das Fair Finance Network Frankfurt ist ein 2014 gegründetes Netzwerk von in Frankfurt ansässigen nachhaltigen Finanzinstituten. Mitglieder sind derzeit die lokalen Filialen der Evangelischen Bank eG sowie der GLS Gemeinschaftsbank eG, daneben Triodos Bank N.V. Deutschland und Oikocredit Förderkreis Hessen-Pfalz e.V. Die Mitglieder verstehen sich als Vorreiter einer nachhaltigen Finanzwirtschaft und möchten sich für diese am Standort Frankfurt mit gemeinsamer Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit einsetzen. Sowohl bei der Triodos Bank als auch der GLS Bank führen wir unsere Vereinskonten.

Es versprach also ein verheißungsvolles…Banking..Geld..ja was war es eigentlich für ein Event … zu werden. Einige sprachen von einem Gegenpool zur Euro Finance Week Frankfurt. Der Titel deutete hin auf Banking und Geld. Und doch ging es in den Vorträgen, in den Fragen des Publikums und auch den Antworten eher um die Frage, wie denn ein gutes Leben gestaltet werden könne. Einigkeit bestand da natürlich darüber, dass Geld und auch Banking damit zu tun haben wird.

Was ist ein gutes Leben?

Gibt es darauf eine klare Antwort? Vermutlicherweise nicht, jedenfalls nicht eine einzige. Also gibt es viele Antworten. Und um dem gerecht zu werden, hat man den hessischen Finanzminister, einen Wissenschaftler, einen kirchlichen Banker, einen Stiftungsvertreter, eine Geschäftsführerin einer sozial-ökonomischen Initiative, eine Banking-Referentin der evangelischen Kirche, einen Banken-Vorstandssprecher, eine ehemalige Top-Rechtsanwältin, einen Lebenslotsen, einen SocialEntrepreneur, einen Ex-Investmentbanker, einen Vorstandsvorsitzenden eines ökologischen Vereins, einen Vorstand eines ökologisch-wirtschaftlichen Unternehmens, eine Geschäftsführerin eines Weltladens, Journalisten und natürlich ein nicht minder breites Publikum eingeladen.

Mit kurzen Impulsvorträgen stellten sich die Referenten und ihre Projekt/Idee/Unternehmung kurz vor und luden dann zu Fragen und Antworten ein. Ich habe, soweit ich mich entsinnen kann, noch nie innerhalb so kurzer Zeit so viele unterschiedliche, bereichernde und inspirierende Perspektiven und Denkanstöße erfahren dürfen. Das lag natürlich an den vielfältigen großartigen Persönlichkeiten. Allerdings haben es die Initiatoren sehr gut verstanden, ein Format daraus zu gestalten, in dem mehr Zeit zur Verfügung stand, als ich es von anderen Konferenzen gewohnt war, als Teilnehmer des Publikums Antworten auf die eigenen Fragen zu erhalten. Und wie die Teilnehmer davon gebraucht machten: Von vorsichtigen Fragen, über hitzige Diskussionen bis hin zu tiefsinnigen Aussagen und einen Blick hinter die Kulissen war es eine wahre Freude, ein so großes Engagement im Publikum zu beobachten.

Ich mag trotz des unzähligen Inputs, aus dem man wohl ein ganzes Buch verfassen könnte, gern einige ausgewählte Denkanstöße der Referenten weiterreichen.

„Gutes Geld wird nicht dadurch schlecht, wenn es mal nicht zurückkommt.“

„Die Treiber für Veränderungen sind Einsicht oder Not. Wollen wir wirklich auf die nächste Not warten?“

„Welches Vorbild wollen wir unseren Kindern sein? – Lassen Sie uns die Finanzwelt ändern, dann ändern wir die Welt.“

„Werte sind nur das, was nicht käuflich ist.“

„Wenn ich loslassen kann, dann hat Geld wieder den Stellenwert, den ursprünglich einmal hatte.“

„Liebe wird aus Mut gemacht“

Wir freuen uns natürlich sehr darüber, wie herzlich wir von den Veranstaltern dem Publikum vorgestellt und begrüßt worden. Wir sind begeistert davon, dass besagte ehemalige Top-Rechtsanwältin unser Lösungsmanagementkonzept als etwas bezeichnete, was ganz dringend gebraucht wird und wohl das Bindeglied zwischen dem juristischen, das es schon gibt, und zwischenmenschlichen Lösungen, die es noch braucht, darstellt. Meine Augen leuchteten ebenfalls, als in einem Vortrag eine junge Studentin die Frage an den Vorstandssprecher einer der Nachhaltigkeitsbanken richtete, wieso die jungen Menschen von solchen Veranstaltungen, solchen Banken und überhaupt diesen Geldthemen so wenig wissen.

Es tat gut, von so vielen Menschen zu hören, dass wir bei MenschBank uns den großen gesellschaftlichen und zugleich auch finanziellen Herausforderungen unserer Gegenwart und Zukunft annehmen. Vor allem unser Leitprojekt, Finanzbildung für Schüler, erfreute sich regem Interesse und Zuspruch.

Wenn Ihr mich fragt, was das Besondere an diesem Event war, dann passt die Antwort sehr zu MenschBank und spricht uns aus dem Herzen: die Menschen. Die Menschen, die in ihrer Funktion nicht nur Banker, Vorstände, Anwälte ect. sind, sondern sich das Menschliche bewahren. Und wenn sich so viele verschiedene Menschen und Interessen so engagiert dran machen, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie man auch und vor allem mit Geld ein gutes Leben gestalten kann, und sich am Ende darauf einigen, dass wir alle gemeinsam dafür etwas tun können und es auch nur gemeinsam schaffen, dann hat dieses Format eine deutlich größere Reichweite verdient. Vor allem, wenn man bedenkt, dass dieses Thema die Menschen aus so vielen verschiedenen fachlichen und gesellschaftlichen Richtungen bewegt.

Wir persönlich sehen die Fair Finance Week nicht als Gegenpool zur Euro Finance Week oder anderen großen Banking-Kongressen. Es ist nicht wie David gegen Goliath, wie einige Menschen im Publikum meinten. Es ist eher eine Ergänzung zu Bestehendem, eine Weiterentwicklung, eher ein David mit Goliath, wo es darum geht, voneinander zu lernen und miteinander zu wirken.

Nach der Bankenkrise, im aktuellen Niedrigzinsumfeld mit den gesellschaftlichen Herausforderungen, die in den letzten Jahren und auch erst kürzlich entstanden sind, Trump war natürlich auch ein angesprochenes Geldthema, sind die Menschen natürlich verunsichert, besorgt, misstrauisch und ja, auch verängstigt. Sie wollen wieder ehrliche, aufrichtige Antworten und sie wollen wieder vertrauen können. Die Menschen in der Bank wünschen sich das Vertrauen ihrer Kunden zurück und sind, wie wir bei unserem ersten Arbeitsgruppentreffen zum Thema ‚Finanzbildung für Schüler‘ wie auch hier gesehen haben, offen, sehr viel dafür zu tun, diesem Vertrauen auch gerecht zu werden. Beide Seiten teilen ähnliche Interessen und vielleicht sind sie nun bereit, aufeinander zuzugehen und miteinander aktiv zu werden. Wenn wir es schaffen, dann nur gemeinsam. Mit der Euro Finance Week und einer Fair Finance Week.

Was ist ein gutes Leben? Ich habe mir folgendes mitgenommen:

„Eine gute Beziehung zu Geld ist wie jede gute Beziehung – niemals neutral.“

Ich habe dann gleich einmal gegoogelt, was denn ‚fair‘ überhaupt bedeutet: ‚so, dass man in seinem Handeln gerecht, ehrlich und anständig ist.‘ Wir wünschen uns sehr, dass man in nicht allzu ferner Zukunft das ‚fair‘ bei Banking weglassen kann. Weil gerecht und ehrlich und anständig einfach normal ist.

 

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