Die Waffen meiner Bank ….

…. selten habe ich dringender gespürt, dass ich einen Blogartikel schreiben möchte; und selten war ich ratloser, was ich schreiben soll.

Als Titel wähle ich den Titel einer Broschüre von Facing Finance und urgewald, die ich seit Samstag in Händen halte, immer wieder hinein schaue und mich frage, was können Worte sein, die die Menschen erreichen. Die Menschen, die in den Banken arbeiten und jene, die ihr Geld Banken anvertrauen ….

bildschirmfoto-2016-12-12-um-23-24-46Überreicht wurde mir die Broschüre von Agnes Dieckmann von urgewald, die ich bei einem Vortrag zum Thema ‚Was macht meine Bank mit meiner Kohle?‘ kennenlernte und am Folgetag noch zu einem Gespräch über urgewald und MenschBank und die Möglichkeit eines Zusammenwirkens v.a. bei unserem Jugendprojekt ‚Finanzbildung für Schüler‘ traf.

Zurück zu besagter Broschüre: in ihr wird sichtbar gemacht, welche Banken sehr aktiv an der Finanzierung von Waffengeschäften beteiligt sind. Doch nicht nur das, sie zeigt auch auf, über welche diversen Kanäle Gelder (v.a. via die Banken) in die Waffenproduktion fließen.

Ich lese die Broschüre und muss nach ein paar Zeilen wieder und wieder aufhören – das Ausmaß ist enorm. Ja, wir werden getäuscht. Ja, wir können zwar als Kunde sagen, wir wollen nicht in Rüstung investieren – und unser Berater empfiehlt uns dann einen Fonds, der beispielsweise Rüstung ausschließt, und gleichzeitig beispielsweise in Banken investiert, die wiederum Gelder direkt über Kredite an die Rüstungsindustrie vergeben.

Alternativen scheinen aktuell ausschließlich die Nachhaltigkeitsbanken und Ethik-Banken (kirchliche Banken) zu bieten. Ein Bank-Wechsel also die einzige Konsequenz, auf jeden Fall beim Thema Geldanlage, wenn man selbst nicht an der Finanzierung von Rüstung beteiligt sein möchte.

Doch ein Bank-Wechsel bedeutet automatisch einen Berater-Wechsel. Und das ist ja genau der Mensch, dem man in Sachen Geldanlage vertraut – jedenfalls viele Menschen, die große Vermögen haben, haben einen entsprechenden Ansprechpartner, meist schon seit vielen Jahren/Jahrzehnten und – JA!! – vertrauen ihm.

Ich mag nicht glauben, was ich in der Broschüre lese – und weiß doch, es ist so. Ja, ich weiß es. Doch noch mehr: ich kenne so viele Menschen in der Branche, die würden doch niemals bewusst und aktiv Rüstung und damit den Mord von Menschen unterstützen. Und meine Bekannten und Freunde, die ihre Investments in Aktien oder Fondsprodukten oder Anleihen haben, doch auch nicht. Ganz sicher würden sie es nicht.

Warum ist es dennoch möglich?! – und warum gibt es vergleichsweise wenige, die einen anderen Weg gehen? … bzw. viel konkreter gefragt, was ist notwendig, dass sich hier nachhaltig etwas ändert. Dass wir nicht mehr wegschauen, solche Broschüren schließen und weglegen, an Protestständen vorbeigehen — den Aspekt ‚Wie wirkt unser Geld in der Welt?!‘ außen vor lassen?!

Ich sehe hier mehrere Möglichkeiten und Ansatzpunkte:

  1. wir dürfen uns bewusst werden, JEDES HANDELN hat eine Konsequenz. Ja, es macht einen Unterschied, was ICH tue, was DU tust. Jeder macht einen Unterschied. Jeder Kunde, jeder Banker. Auch, wenn es nur ein Tropfen ist auf dem sog. ‚heißen Stein‘. Es ist ein Tropfen, den es braucht. Hierzu ein Video eines meiner großen Vorbilder, Wangari Matthai, dass zeigt, wie wichtig es ist, dass jeder das Beste tut, was er/sie kann.  Ich glaube, das ist das Wichtigste, was wir mit MenschBank zeigen wollen: jeder Mensch ist wichtig, und jeder Mensch kann einen Unterschied machen in seinem Umfeld. Lasst uns nicht mehr verstecken hinter der Ausrede, einer kann nichts ändern. Jeder, wirklich JEDER kann seinen Beitrag leisten.
  2. wir dürfen als Kunden sehr aktiv und klar nachfragen – in dem Bewusstsein, dass die Berater es im Zweifel nicht wissen, gerne, um das Gespräch schnell abzuwiegeln, ein schnelles ‚Ja-ja, passt schon!‚ geben. Ich überlege, was hier ein guter Weg sein kann. Eine Checkliste möglicherweise …. eine Checkliste mit verschiedenen detaillierten Unterpunkten, die uns der Berater schriftlich bestätigen soll. Das wird er allein nicht können – hier wird er bei den Fondsmanagern, zentralen Bereichen nachfragen müssen. Wenn nur genügend Kunden fragen, und zwar hartnäckig nachfragen, werden die Banken etwas ändern (müssen).
    Ich ahne, dass man in der Branche über diesen Vorschlag wenig begeistert sein wird – macht es doch nur Mehr-Arbeit. Doch, liebe Banker, habt Verständnis: es ist der Weg, dass auch IHR Euren eigenen Werten entsprechend handeln könnt und das Thema, ohne Eure Jobs zu riskieren, an die höheren Entscheidungsebenen weiterreichen könnt und wirklich etwas passieren wird.
  3. Bank-Wechsel… nun, dies ist mit Sicherheit die schnellste Möglichkeit, die 100prozentige Sicherheit zu haben, dass das eigene Geld nicht mehr in Rüstung (oder andere menschen- und umweltschädigende Investitionen) fließt. Es gibt in Deutschland aktuell 4 Nachhaltigkeitsbanken, die m.W. auch eigene Investmentprodukte auflegen, wo man entsprechende Sicherheit hat. Wir selbst haben unsere Konten bei der Triodos-Bank und bei der GLS-Bank, gerade bei der GLS hat man in den Metropolen über Vor-Ort-Filialen auch die Möglichkeit eines persönlichen Ansprechpartners. Doch auch bei der Triodos-Bank ist die (telefonische) Beratung total menschlich und persönlich – wirklich, das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen und aus tiefster Überzeugung empfehlen.
  4. Wahl bei den Investmentprodukten für nachhaltige Anlagen – offen gestanden kenne ich mich selbst hier zu wenig aus, allerdings ist hier der Verein ‚Geld mit Sinn e.V.‚ ein guter Ansprechpartner. Sicherlich auch im Hinblick darauf, ob man z.b. bei seiner eigenen Volksbank bleiben und alternative Anlagen ins eigene Depot kaufen kann. Hier werde ich mich um ein Interview bemühen und dieses hier an dieser Stelle noch verlinken.
  5. Mut machen bei Vermögensverwaltern, Investmentgesellschaften etc.pp., wirklich nachhaltige Anlagen aufzulegen (und eben nicht nur die, die nach außen schön verpackt sind und einen ganz anderen Inhalt haben). Hier sehr gerne auch den Kontakt zu urgewald e.V. suchen bzw. herstellen. Die Mitarbeiter machen nicht nur sichtbar, wo die ’schmutzigen Geschäfte‘ stattfinden, sondern zeigen auch gute Investments auf – in nachhaltige Energien oder ähnliches.
  6. Über das Thema ‚Wie wirkt mein Geld in der Welt?‘ sprechen. Gerade diesen Punkt können wir alle – ob nun Bankmitarbeiter oder Bankkunde – immer und immer wieder in den diversen Gesprächen anführen. Ob nun in den Mittagspausen, auf Messen, im Zug, bei Beratungsgesprächen. Lasst uns darüber austauschen, wofür wir unser Geld investieren wollen. Lasst uns unsere eigenen Werte klar haben – und eben unser Geld (gerade, wenn es um die Geldanlagen geht), genau diesen Werten entsprechend investieren.
  7. Sicht- und hörbar machen, wohin unser Geld fließt … mir schwebt hier ein Jugendprojekt vor, wo wir über das Thema ‚Wie wirkt unser Geld?!‘ zunächst mit den Jugendlichen hinsichtlich gängiger Investments sprechen und dann mit ihnen in einem kreativen Prozess Bilder und vielleicht einen Song entstehen lassen und dies auf unserer Webseite, vielleicht sogar in der ein oder anderen Bank oder öffentlichen Einrichtung sichtbar machen.
    Junge Menschen sind hier unglaublich klar und reflektiert – und vor allem mutig, ehrlich zu sein. Als Beispiel, wer mag, kann gerne das Interview von Max (16) anhören, in dem er mit dem Marketingleiter der TriodosBank u.a. über das Thema Rüstungsfinanzierung spricht – und dass Nachhaltigkeitsbanken dies eben nicht tun. Er sagt (ab 7:33) ‚Für mich klingt das total logisch und ich weiß gar nicht, warum Sie nicht so bekannt sind und so einen schönen großen Turm haben wie andere Banken in Frankfurt.‘

Wenn ich diesen Artikel tituliere mit ‚Die Waffen meiner Bank …. ‚ so möchte ich schließen mit ‚Den Waffen von MenschBank….‘: was sind unsere Waffen – womit treten wir den Banken entgegen?!

Ein Bekannter (Banker) sagte einmal zu mir / über mich: Du bist niemand, der auf eine Demonstration geht – Du bist diejenige, die zu dem Panzer auf der anderen Seite geht und Blumen darauf legt. Das war lange vor MenschBank. Er hat Recht. Ich mag nicht gegen etwas kämpfen – FÜR etwas schon. Doch ich kämpfe nicht, um andere zu verletzen oder zu schädigen. Insofern habe ich keine gängigen ‚Waffen‘. Ich habe den Glauben an den guten Kern in jedem Menschen, an die Kraft der Veränderung, dass Wandel und v.a. Heilung immer möglich sind; und ich habe Geduld und damit Zeit.

Insofern brauchen wir auch keine Waffen – durch unser Sein sind wir quasi die Waffe. Wir passen uns durch Weichheit jedem Hindernis an – ähnlich wie das Wasser – es ist weich und hart zugleich. Hindernisse werden umgangen oder beiseite gerollt. Wir leben in Achtung vor allem Leben – wollen niemand verletzen und sollte das geschehen, bitten wir um Verzeihung. Wir schützen die Schwachen, Alten, Frauen und Kinder – und natürlich die Natur (ganz real auch in unserem Wirken bei MenschBank).

Wir sind Krieger ohne Waffen – und gleichzeitig ausgestattet mit der mächtigsten und einzigen Waffe, die es mit der Bankenwelt aufnehmen kann: Menschlichkeit.

Wir möchten an dieser Stelle wirklich einladen und aufrufen, das Wirken von urgewald zu unterstützen. Es ist so wertvoll und wichtig, was die Kollegen dort machen. Einige Projekt (beispielsweise ein Atomkraftwerk in einem Erdbebengebiet in Bulgarien) wurde durch urgewald und ihre Klarheit und Hartnäckigkeit (teils über mehrere Jahrzehnte) schon verhindert. Davon profitieren wir alle.

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