Das Positive an Konjunktiven

Der Abend war voller Konjunktive…

sagte ein Teilnehmer im Anschluss an unsere 1. Arbeitsgruppe Bank zu uns. Er meinte es nicht positiv – vermutlich ganz im Gegenteil. Er hat sich einen klaren Fahrplan, inkl. Zeitschiene, klare Verteilung der Zuständigkeiten, klare Kalkulationsgrundlage für Kosten etc.pp. gewünscht.

So kennen wir es aus der Bank, so kennen wir es aus dem Leben. Konjunktive sind unpopulär, zeugen nicht von Umsetzungsfähigkeit – zu viel Wollen, zu viel Hätte-Wäre-Könnte. Nichts wirklich Greifbares.

Den Konjunktiv (II) verwenden wir immer dann, wenn wir über etwas sprechen, das jetzt noch nicht möglich ist.

Darüber denke ich seit ein paar Tagen nach und lasse heute meine Gedanken in die Tastatur fließen … 

Vor 1,5 Jahren war ich im Stück ‚Lehman Brothers – Aufstieg und Fall einer Dynastie‚ im Dresdner Staatsschauspiel. Es zeigt, wie der Name schon sagt, die Geschichte der Lehman’s von der Ankunft in Amerika bis zum Untergang des Unternehmens bei der Finanzkrise 2008. Das Stück zeigt nicht nur Lehman – es kann hergenommen werden für die gesamte Branche (v.a. innerhalb der Großbanken, Genossenschaftsbanken ‚ticken‘ hier sicher noch ein Stück weit anders).

Im Stück: 3,5 Stunden Power und Tun und Umsetzung. Plan um Plan, genutzte Geschäftsmöglichkeit um genutzte Geschäftsmöglichkeit, Erfolg um Erfolg. Höher – Weiter – Schneller.

bildschirmfoto-2016-11-20-um-19-45-49Das Bühnenbild war ein raumfüllendes Zahnrad, das sich schneller und schneller und noch schneller drehte. …. mein Atem zwischen Luftanhalten und Atemlosigkeit. Ein so fesselndes, authentisches Stück – wenn man sich einlassen konnte, hat es einen mitgerissen, vor allem, wenn man selbst aus der Branche kommt.

Ein Moment darin, wo dieses überdimensionale Zahnrad anhält. Wo man beginnt, wie in einer Parallelwelt, kurz innezuhalten, zu hinterfragen, nachzudenken. Ein kurzer Moment nur, doch draußen geht das Leben weiter …. und so wird das Zahnrad wieder angeschoben und dreht sich fortan noch schneller, bis es – zumindest für Lehman Brothers – irgendwann zum für immer Stehenbleiben gezwungen wird.

Ich kann mich an meine Gedanken entsinnen: Was braucht es für die Menschen der Branche dieses Alltags-Business-Turbo-Zahnrad für einen Moment anzuhalten. Nur für einen Moment innezuhalten in dieser so irre schnellen Bankenwelt?!

So gerne möchten wir mit MenschBank diese Zeitoasen für die Menschen der Branche schaffen, sie unterstützen und stärken, und ihnen Werkzeuge an die Hand, die Rückendeckung, das Vertrauen, den Mut, die Gelassenheit und was es auch immer braucht, geben, um nach diesen Momenten des ‚Alltags-Business-Turbo-Zahnrad-Anhaltens‘ eben nicht ‚zurück in die Realität‘ zu kommen, sondern diese Realität Stück für Stück mit zu verändern zu einer neuen Bankenwelt, die sich in einem gesünderen Rhythmus bewegt.

Wenn wir mit den Bankern über ‚Finanzbildung für Schüler‘ sprechen, dann ist unser Fokus natürlich auf der Sache – und doch haben wir – Martin und ich – unsere Antennen immer auf Empfang. Hören genau hin, was die einzelnen, oft nur als Nebensätze, erzählen. Wir sind so dankbar für diese ‚Nebensätze‘, zeigen sie uns doch, was die Menschen in den Banken bewegt, wo ihnen wirklich der Schuh drückt.

Da ist eine Person, die darüber spricht, dass sie privat vermeidet, zu sagen, was sie beruflich macht, einfach weil das Image der Banker so schlecht geworden ist. Dies hören wir öfters – manch einer (im Firmenkundengeschäft) bezeichnet sich selbst nicht mehr als Banker, sondern als Unternehmensberater. Und – wir können es verstehen. Eine andere Person meint, dass wir solche Beispiele genannt hätten ‚Macht Geld glücklich? Wieviel Geld braucht man zum Leben? – ich kann es erweitern: Was ist ein Menschenleben wert?‘ – und dass wir solche Fragen unbedingt ins Skript aufnehmen sollen, weil sie glaubt, dass darüber noch kaum jemand aus Banksicht nachgedacht hat. Dass dies ja auch eher ins Fach Ethik geht …. JA! Ja, natürlich !!! Wir dürfen Ethik, die sich mit dem praktischen Handeln des Menschen befasst, wieder in Verbindung mit Geld, mit unseren Geldgeschäften / Geldanlagen bringen. Wir dürfen über Sinn sprechen – und als Antworten anderes als ‚höher-weiter-schneller‘ und ‚mehr, mehr, mehr Euro bzw. Prozent‘ geben.

Wieviele Banker würden heute kommen – und dürfen kommen – wenn wir zu einem Abend über ‚Ethik in Banken‘ einladen?! Und wie kann man überhaupt darüber sprechen, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu ‚drohen‘, der sofort in Gegenwehr mündet?! … Es gibt genügend, die das tun – dies schafft nur Widerstände. Wir wünschen uns Dialoge, Gespräche auf Augenhöhe, ehrlichen Austausch….

… denn eines ist uns klar, die Menschen, mit denen wir sprechen, gehen am nächsten Morgen zurück an die Arbeitsplätze ihrer Bank. Zurück in das System, in dem sie eines der Zahnrädchen sind. Es wäre fatal, würden sie blockieren – einer allein ist zu wenig, um dieses System ins Stocken, ins sich Neujustieren zu bewegen. Die Kraft des Systems ist so stark, dass einzelne blockierende Zahnräder brechen würden. Das ist nicht unser Wunsch und Wollen.

Mit MenschBank möchten wir, möglichst viele Menschen im ‚System‘ der Banken erreichen, inspirieren und ermutigen, neue Möglichkeiten zunächst zu denken. Punkt. Dieser Punkt ist wichtig, denn zu sehen, sich vorzustellen, zu denken und zu fühlen, dass es andere Möglichkeiten (in der Finanzwelt) als die Offensichtlichen und Aktuellen gibt, ist ein so wichtiger erster Schritt. Danach kann man beginnen, Schritt für Schritt, kleine Dinge umzusetzen. Gemeinsam – Mitarbeiter, Führungskräfte, Kunden. Dies ist der Weg, der für alle Beteiligten die Ressourcen am Optimalsten verwendet.

Was bedeutet das nun konkret für unser Projekt ‚Finanzbildung für Schüler‘. JA – der Abend war voller Konjunktive, voller Möglichkeiten, die sich – so wir eine Basis von Vertrauen zwischen Lehrern, Eltern, Schulleitern und Praxispartnern entwickeln – nach und nach umsetzen lassen. Wahrscheinlich nicht alle, wahrscheinlich kommen viele, die wir uns heute noch nicht vorstellen, hinzu.

Der Weg ist das Ziel, unsere Vision der Kompass und gegenseitiges Vertrauen und Ehrlichkeit die Garantie.  

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