Bildung für jeden – Wir machen keinen Unterschied

‚Wir fördern nur Projekte, deren Kernzielgruppe BILDUNGSBENACHTEILIGTE Kinder sind….‘ erhielt ich heute als Hinweis der Verantwortlichen eines Förderprojekts für Schüler. ‚Kinder, die z.B. auf ein Gymnasium gehen, sind nicht bildungsbenachteiligt.‘ sagt sie weiter.

Ich spreche mit ihr, weil wir uns mit einem Modul aus dem Teilprojekt ‚Finanzbildung für Schüler‘ für ein Förderprogramm des Bundes bewerben wollen und da unsere Vereinsgründung noch nicht bis zum Stichtag der Antragsabgabe abgeschlossen sein wird, ich Fragen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen habe.

 

Was genau ist bildungsbenachteiligt?

Das Telefonat arbeitet nach, auch nachdem ich den Hörer aufgelegt habe. Was genau ist ‚bildungsbenachteiligt‘?! Google hilft und so findet sich eine Definition:

Das BMBF beruft sich bei der Definition der Gruppe der Bildungsbenachteiligten auf den Nationalen Bildungsbericht 2010, der unterschiedliche Risikolagen, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen können, benennt.
Zur Gruppe der Bildungsbenachteiligten gehören demnach:
– Kinder aus Familien, in denen mindestens ein Elternteil arbeitslos ist,
– Kinder mit einem Wohnort im ländlichen Raum oder in einem Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt eingestuft wird,
– Kinder aus bildungsfernen oder einkommensschwachen Familien,
– Kinder, die bei Alleinerziehenden leben,
– Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund
Die sozialräumliche Ausrichtung und Beschreibung der Aktivitäten dokumentiert und gewährleistet, dass diese Zielgruppe erreicht wird.

Ich lese diese Definition und merke, wie ich innerlich den Kopf schüttle. Aus dem Kopfschütteln wird langsam Wut. Wer bitte hat diese Definition festgelegt – und behauptet dann noch, dass die gleichen Kinder nicht auf ein Gymnasium gehen können.

Meine Kinder sind nach dieser Definition in nicht nur einem Punkt bildungsbenachteiligt UND gehen auf ein Gymnasium bzw. eine Privatschule. Und wenn ich mich im näheren oder weiteren Umfeld umschaue, gibt es einige Kinder, die darunter fallen und sicher mit Aufgabenstellungen im Alltag gefordert sind, die Kids aus wohlhabenden, ‚heilen‘ Familien nicht haben, doch ein wirkliches Defizit an sozialen Kompetenzen oder an Wissen haben diese Kinder nicht.

Versteht mich recht: z.B. allein erziehend zu sein, ist kein Zuckerschlecken. Den sicher geglaubten Job zu verlieren oder in immer wieder kehrender Unsicherheit zu sein, ob das Gehalt ausreicht, die Familie ernähren zu können, auch nicht. Und Unterstützung gerade für diese Zielgruppen ist großartig – und hätte ich mir selbst oft genug gewünscht.

Doch für ein solches Angebot des Bundes auszuschließen, dass Kinder aus z.B. Gymnasien teilnehmen können, weil man meint, sie seien (wirtschaftlich) besser gestellt, halte ich für sehr fragwürdig. Vielleicht haben Gymnasien mehr Geld z.B. durch ihre Fördervereine, auch dies mag sein.

Bildungsangebote müssen allen Kindern gleichermaßen zugänglich sein – ob inner- oder außerschulisch.

Außerschulische Angebote müssen offen sein für ALLE Kinder, unabhängig von deren Bildung und sozialem Status.

Wir bei MenschBank werden niemanden anders behandeln, nur weil er Geld hat oder kein Geld hat. Im Villenviertel oder Plattenbau wohnt, ein Land-Ei ist oder ein Städter, Deutscher ist oder eine andere Nationalität hat, mit beiden Eltern aufwächst oder die Mutter/der Vater alleinerziehend ist, die Eltern Bildung und/oder Kultur fördern oder nicht.

Genau dies werden wir den Kinder vorleben – werden zeigen, dass jeder andere Potenziale und Ressourcen hat, dass der Wert eines Menschen weder von seinen schulischen Leistungen, noch von der Höhe seines Taschengeldes oder der Größe seines Kinderzimmers oder den Marken seiner Klamotten oder dem technischen Equipment abhängt.

Ich schreibe das Konzept für den Förderantrag, kein Thema. Doch ich werde ganz deutlich machen, dass wir mit MenschBank Brücken schlagen. Dass wir die lt. Definition Benachteiligten ansprechen, doch kein Kind ausgrenzen werden, das auf eine gute Schule geht, einem guten Viertel wohnt, wohlhabende Eltern hat. Denn das wäre, so finden wir, diskriminierend.

Erich Kästner als Vorbild und Inspiration

Und ich werd mich auf eines unserer Lieblingsbücher beziehen: ‚Emil und die Detektive‘ von Erich Kästner – das Kind vom Land kommt in die Stadt, hat ne Menge Geld dabei und wird bestohlen. Hat Angst vor der Polizei, weil er etwas ausgefressen hat und versucht, den Dieb auf eigene Faust zu stellen. Dabei begegnen ihm einige Kids aus den verschiedensten Familienverhältnissen. Sie verbünden sich, legen alles zusammen und verfolgen den Dieb, stellen ihn schließlich und kassieren sogar eine Prämie …

Genauso sollen die Kinder- und Jugendprojekte bei MenschBank sein. Es ist doch keiner besser oder schlechter!!! – Was leben wir den Kids vor, wenn wir sie in solche Rubriken einteilen. Echt jetzt!!
Mögen die Erwachsenen, die die Bundesmittel verteilen, unser Konzept lesen und nachdenken. Mögen sie erkennen, dass sie die Gräben zwischen arm und reich auf diese Weise nur noch mehr schüren.

Wir bei MenschBank machen es anders. Diesen ‚Unfug‘ (und hey, es so pauschal festzulegen ist Unfug – und Kinder, nur weil sie auf ein Gymnasium gehen und nicht notleidend wirken, nicht zu fördern, ist noch viel größerer Unfug) werden wir nicht unterstützen. Punkt, aus, basta.

Die Kids werden es lieben – die Kids werden erkennen, dass ihr Wert unabhängig ist von der Schule, auf die sie gehen, den Klamotten, die sie tragen, dem Viertel, in dem sie leben. Dass man nicht glücklicher ist, nur weil man auf eine ‚bessere‘ Schule geht (besser nach welchem Maßstab), oder bessere Noten hat. Dass es vieles zu lernen gibt z.B. auf dem Land, was Stadtkindern ganz fremd ist – und dass es keine Wertung darüber geben darf, ob man z.B. eine Kuh melken und Gemüse anbauen oder Vokabeln gut auswendig lernen kann. Jeder hat andere Stärken und Potenziale, und wenn sie irgendwann in Entscheiderpositionen sitzen, werden sie die Ressourcen hoffentlich nach anderen Kriterien verteilen.

 

Ob ich dadurch die Fördermittel verwirke …. ganz ehrlich, wenn dem so sein sollte, werden sich andere Wege der Finanzierung finden. Wir dürfen hier Vorbild sein, klar zu unseren Werten stehen – gerade wenn es um unsere Kinder und Finanzen geht.

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