It’s not about the money, money, money ….

von Silke Hohmuth

Was macht MenschBank eigentlich?!

… nun im Moment konzentrieren wir uns auf ein Bildungsthema speziell für Jugendliche: ‚Geld & Wirtschaft(en)‘. Wir sprechen viel mit Jugendlichen, lassen sie ihre Fragen stellen rund ums Thema Geld & Leben, fragen sie, was sie sich vom Lernen / von Schule wünschen. Wir schauen uns die Lehrpläne an: welche Inhalte können praxisnah in Schülerlaboren vermittelt werden, welche Partner aus der Wirtschaft oder dem Leben können den Kindern wahrhaftig und authentisch erzählen.

Es ist großartig, hier auf Forschungs- und Entdeckungsreise zu gehen. So viele Menschen mit leuchtenden Augen, die nur noch vernetzt werden dürfen.

So viele tolle Initiativen für Kids, sei es Potenzialentwicklung oder kreatives rund um Film oder Konfliktlösungen. Über das Thema ‚Geld‘ spricht (noch) keiner. Hier gibt es kaum Information oder Aufklärung.

Okay, es gibt Banken, die teils auf Eigeninitiative in Schulen gehen und hier informieren. Es gibt Börsenspiele und ähnliches. Doch ist es das, was die Kids (lernen) wollen?! Mein 16jähriger Sohn, der für MenschBank Interviews führt, sagte irgendwann zu mir: ‚Mama, ich möchte nicht mehr mit Bankern über Finanzen sprechen, sondern mit Menschen über Geld.‘.

Dieser Impuls war es, der uns veranlasste, das Thema für die Kids größer zu denken. Ihnen nicht vorzugeben, was sie lernen sollen – sondern einfach Anregungen zu geben und den Raum für ihre Forschungen zu öffnen.

Denn mal ehrlich, so ganz unter uns, wir Banker sind doch, wenn wir uns die Bankkrise(n), die immer wieder notwendigen Rettungen von Staatsseite anschauen, nicht wirklich die Kompetentesten, wenn es darum geht, den Kids etwas über den Umgang mit Geld zu erzählen. Bitte, liebe Banker, fühlt Euch nicht angegriffen – viele von uns sind ganz wundervolle Menschen, doch haben wir wirklich Ahnung davon, wie Geld entsteht, woher Geld kommt, wissen wir v.a. wie Geld wirkt?! – oder wiederholen wir nur, was uns irgendwann erzählt wurde, ohne wirklich selbst jemals auf Entdeckungsreise gegangen zu sein?!

Bei unseren eigenen Recherchen in den letzten Monaten sind wir auf Dinge in der Bankenwelt gestoßen, die den meisten Bankmitarbeitern vermutlich nicht bekannt und bewusst sind. Es wurde uns immer klarer, dass das, was uns Banken oder Versicherungsgesellschaften erzählen, selbstverständlich nur ‚eine Wahrheit‘ ist, einen bestimmten Blickwinkel vor allem aus Sicht derer Marketingabteilungen zeigt, teils elementare Fakten verschwiegen werden oder einfach – ja, auch das gibt es – gelogen wird.

Und doch wollen wir den Kids kein Wissen vorgeben, wäre dies ja nur unsere Wahrheit, sondern wollen sie anregen und ermutigen, sich selbst auf die Suche zu machen. Wollen wir ihnen ehrlich und authentisch begegnen und v.a. mit ihnen ganz offen über Geld sprechen.

Für unser Jugendprojekt war schnell klar, dass wir unabhängig von Bankinteressen sein wollen, ja sein müssen, um eine wirklich objektive Information der Schüler gewährleisten zu können. Und so entschieden wir uns für ein Crowdfunding der Plattform für gemeinnützige Projekte: 99Funken. Vom Namen passt es auch gut: Wir lieben es, Inspirations-Funken zu versprühen und die Menschen zum selbst denken, selbst Lösungen finden und handeln zu inspirieren.

Wir werden schon allein deshalb, weil wir viele Menschen ins Boot holen wollen, die das Thema klasse finden und einfach mitmachen und -helfen wollen, wesentlich weniger Geld brauchen, als wenn man Menschen dafür bezahlt, die nicht für das Thema brennen und wir werden vieles, was man sich eigentlich einkaufen müsste, über andere Ressourcen und Kontakte gesponsert bekommen – und doch, wir brauchen auch Geld, das wir eben über das Crowdfunding einsammeln werden.

Gleichzeitig wurde uns klar, dass wir auch gezielt an die zunächst regionalen Banken und Sparkasse, Vermögensberatungen und Versicherungen herantreten, um einzuladen, mitzumachen. Vorhandene Ressourcen zur Verfügung zu stellen, seien dies Besprechungsräume, Pressekontakte (bzw. Artikel in deren Kundenzeitschriften), vorhandene Unterrichtsmaterialien, Offenheit für Fragen und ‚Bank kennenlernen‘ (mein Sohn möchte z.B. gerne mal einen Banktresor von innen sehen), für Videodrehs – wir möchten gerne bestimmte Themen ganz einfach für die Kids mit Video erklären, z.B. wie kommt das Geld für Papas Arbeit in den Automat oder auf die Scheckkarte) oder ganz praktisch und naheliegend, weil es die Banken ja haben, mit Geld.

Die Budgets der Banken sind in den letzten Jahren geschrumpft, das ist mir durchaus bewusst – und doch: es gibt noch mehr als genug Geld für unterschiedlichste Themen in den Banken. Vieles wird sicherlich zentral verwaltet, anderes regional bzw. in der Einzelfiliale.

Sollen wir in unserem Projekt mit offenen Karten spielen? Sichtbar machen, was jeder gibt?! …. wir haben uns entschieden, dies zu tun. Es wird keine ‚Premiumpartner‘ oder ‚VIP-Partner‘ geben, also bevorzugte Partner, wo man sich für mehr Geld einkaufen kann, sondern jeder, der mitwirken möchte – und sei es mit 5 oder 50.000 Euro, ist herzlich eingeladen. Natürlich gibt es die Möglichkeit, anonym zu spenden, keine Frage. Doch gerade bei den Banken haben wir entschieden, sichtbar zu machen, wie jede Bank mitwirkt – auch, um wieder Transparenz und Vertrauen für die Bankenwelt zu generieren.

Mir war schon bewusst, dass dies ein heikles Thema ist. Über Geld wird in den Banken nicht gesprochen – also nicht über das eigene (z.B. Gehalt) und auch nicht über Budgets, wenn es bereichs-/kompetenzübergreifend ist. Und doch, will ich genau hier über Geld sprechen. Und: es ist vollkommen okay, wenn eine Bank sich in anderen Bereichen engagiert und einfach sagt, hier habe ich im aktuellen Jahr kein Budget / keine Ressourcen. Oder: ich will es mir erst einmal anschauen. Oder: ich leite es an die Zentrale weiter, mal schauen, ob es hier einen Sondertopf gibt. Oder: wendet Euch doch mal an Stiftung XY oder Verband XY, da kenne ich jemand, der Euch hilft. Oder (und das wäre richtig mutig für einen Banker): ich habe hier einen Kunden, den betreue ich seit vielen Jahren. Er war einmal Lehrer oder Banker oder xyz und er teilt Ihre Werte. Ich könnte mir vorstellen, dass er in Ihr Projekt etwas investieren möchte.

Es geht letztendlich um Folgendes: jeder gibt, was er übrig hat, wenn er das möchte. Wenn er/sie sich inspiriert fühlt von unserem Projekt, von den Kids – wenn er Lust hat, in die Zukunft nicht nur unserer Gesellschaft zu investieren, sondern wenn wir davon ausgehen, dass aufgeklärte Kids auch mit Geld verantwortungsvoll und nachhaltig umgehende Erwachsene werden.

Grönemeyer singt ‚Gebt den Kindern das Kommando, denn sie berechnen nicht, was sie tun …‘ – wir Erwachsenen, grad wenn wir budgetverantwortlich in Banken sind, berechnen permanent, was wir tun. Denken in Nutzen, fragen uns ‚was bringt es mir‘.

In unseren Bilanzen gibt es dann noch eine Position ‚Corporate Social Responsibility‘, damit (und jetzt bin ich ein wenig provokant) erkaufen wir uns dann ein wenig gutes Gewissen und klopfen uns mal gegenseitig auf die Schultern. Liebe Banker, liebe Budgetverantwortliche: alles, was wir, alles was Sie tun, sollte unter dem Gesichtspunkt einer Ganzheitlichkeit, einer Nachhaltigkeit stehen. Etwas anderes können wir uns, um ehrlich zu sein, nicht mehr leisten – und vor allem unseren Kindern nicht zumuten.

Erwarte ich, dass Banken in dieses Projekt investieren?! … nun, Erwartungen können enttäuscht werden und am liebsten würde ich sagen ’nein, ich habe keine Erwartungen‘. Doch die Wahrheit ist, dass ich nicht nur hoffe, dass wir ein paar mutige Banker mit diesem Projekt erreichen, die ihr Herz am rechten Fleck haben, die Budgettöpfe zu benennen und zu öffnen, die für dieses Projekt passen.

Nein, ich hoffe es nicht nur, sondern ich wäre beschämt, wenn diese Menschen, von denen mir schon so viele begegnet sind, die ich menschlich mit dem Thema erreiche, die inspiriert sind, die mich zwar im besten Fall für eine Visionärin, im schlimmsten für eine Spinnerin halten und doch fasziniert sind vom Glanz in meinen Augen, ich wäre beschämt, wenn diese Menschen ihr Herz, das sie ohne Frage haben, dessen Träume und Hoffnungen und dessen Zweifel, ob das Höher-Weiter-Schneller wirklich der Weg ist, wenn sie dieses Herz hinter ihrer perfekt gebundenen Krawatte verstecken und zwar mit einem freundlichen Lächeln, doch sehr klarer Ausrede sagen ‚dafür haben wir kein Budget‘.

Sagt Ihr das auch den Kids, wenn sie Euch fragen? Erzählt Ihr dann auch von Euren Incentives, die es immer noch gibt – okay, nicht so pompös wie in den vergangenen Jahren, weil wir müssen ja sparen. Oder erzählt Ihr, was Ihr den Marketingagenturen gebt, dass sie auf Hochglanzpapier oder in den TV-Flatscreens erzählen, wie kundenorientiert und persönlich Ihr seid. Oder gebt Ihr sie Headhuntern, um Mitarbeiter zu finden – oder Empfehlungsgebern in Form von Prämien, um Kunden zu generieren? Oder gebt ihr sie dann, wenn ihr wirklich in die Universitäten und Schulen gehen dürft, um Eure Marketinginformationen zu verbreiten?

Oder was antwortet Ihr auf die Frage von Kids, die ganz offen und ehrlich mit Euch, ganz vorbehaltlos, über Geld sprechen wollen und die legitime Frage stellen ‚man hört, dass Bankmanager viel Geld verdienen – was ist viel Geld‘? …. was ist dann?! Fangt Ihr dann an zu schwimmen und über Tarifverträge von Sparkassen zu sprechen, dass es ja nicht zu persönlich wird?!

Wir geben grad alles, was wir sind und haben in dieses Projekt. Ohne Sicherheit, ohne Laufzeit und ohne Tripple-A-Rating. Unsere Sicherheit ist die Offenheit und Ehrlichkeit der Kids. Gerade beim Thema Geld.

Bislang war ich noch verständnis- und respektvoll den Bankern gegenüber, die mir mit der ‚wir haben kein Budget‘-Ausrede kamen oder mit (auch gerne genommen) ‚das ist nicht unsere Zielgruppe bzw. Region‘ oder noch viel lieber ‚wir tun schon ganz viel punktuell in den Schulen‘. In mir drin hat es gearbeitet, im Nachgang war ich manchmal ganz schön wütend ob der Arroganz, beim Staat die Hände aufzuhalten und sich retten zu lassen – und dann was von ‚wir haben keine Ressourcen zu erzählen‘. (Hier spreche ich nicht von allen Banken, das ist mir bewusst und doch möchte ich es einmal genau so plakativ ausdrücken dürfen.)

Respektvoll werde ich bleiben – ich kann gar nicht anders. Doch, meine lieben Banker, ich werde meinen Mund nicht mehr halten. Nicht mehr freundlich nicken und weiterziehen, abgehakt werden können als einer der getakteten Halb-Stunden-Termine. Ich weiß, das kennt Ihr in dieser Form nicht – vor allem dann nicht, wenn Euch ein Mensch sehr menschlich und klar gegenüber steht. Ohne Angst und ohne Berechnung. Ich bin ehrlich und klar, habe nichts zu verlieren. Definiere meinen eigenen Wert schon lange nicht mehr über Einkommen oder Vermögen, Titel oder Position. Hab weder Angst noch Druck. Ich brauch Euch nicht. Noch nicht mal Euer Geld …

… und doch: ich mag Euch, ich versteh Euch sogar (glaubt mir). Ich möchte Euch die Hand reichen, Euch teilhaben lassen an einem Abenteuer, wie Ihr es Euch in Euren Büros und Banktürmen nicht vorstellen könnt. Die ‚Arbeit‘ mit Kindern, wenn wir uns mit Zeit und ohne Erfolgs-Druck einlassen, ist so bereichernd. So unfassbar bereichernd. Die stellen Fragen und finden Lösungen, da träumen wir nur von. Die Gewinnerin des Querdenker-Awards Margret Rasfeld geht mit Schülern ihrer Schule in Workshops mit DAX-Managern. Ohne diese wache, reflektierte Klarheit und Wesentlichkeit der Kids hält sie meines Wissens keine Seminare mehr. Genau das erträumen wir uns für die Bankenwelt. Wohin haben uns die Unternehmensberater gebracht, die doch nur sagen, was Ihr hören wollt. Schaut doch einfach mal ehrlich hin.

Um Lösungen für die aktuellen Problemstellungen zu finden, brauchen wir eine ganz neue Kultur. Brauchen wir ein Miteinander und Vertrauen. Die Alten (die endlich die Krawatte abgelegt haben und ehrlich sein können) und die Jungen (die eben auch noch ehrlich sein können, kritisch hinterfragen, neugierig entdecken). Sehr Ihr das nicht?! … was braucht es, dass Ihr genau das erkennen könnt?!

Liebe Banker, Ihr habt mit dem Geld Eurer Kunden verantwortungsvoll umzugehen, ebenso mit dem Geld Eurer Mitglieder (bei Genossenschaftsbanken) und Eurer Aktionäre. Fragt Euch selbst, was Eure Kunden, Mitglieder, Aktionäre wollen – fragt Euch selbst, ob wir mit unserem Thema, mit diesem Projekt, im Sinne Eurer Kunden, Eurer Aktionäre und Mitglieder handeln. Die Kids von heute sind die Kunden der Zukunft. Lasst uns brechen mit diesem Tabu ‚Über Geld spricht man nicht‘, lasst uns teilen – unser Wissen, unsere Fragen, unsere Ressourcen. Auch wenn wir über Geld sprechen, werden wir erkennen, dass es um Geld eigentlich nicht geht. Es geht um das Leben, um sinn- und wertvolles Wirtschaften mit unseren Ressourcen. Im Kleinen wie im Großen. Es geht nicht um mehr Rendite, es geht um Gesundheit. Auf allen Ebenen: im eigenen Körper, in den Beziehungen, in den Unternehmen, in der Natur.

Ich mag Euch, liebe Banker, wirklich einladen, ein Teil von unserem Projekt zu werden. Ja, es wäre toll, wenn Ihr uns mit Geld unterstützt – und doch geht es darum nicht wirklich. Es geht darum, das Geld nicht mehr soooo wichtig zu nehmen und einfach mal wieder Mensch zu sein.

Manchmal sagt ein Lied es besser als tausend Worte: (swing your hips)
It’s not about the money, money, money – we don’t need your money, money, money.

PriceTag – Songtext

Ein jeder scheint käuflich zu sein – ich frage mich, wie sie nachts schlafen können.
Wenn der Verkauf oberste Priorität hat, und die Wahrheit erst danach kommt,
Dann halt mal kurz inne und Lächle!

Warum ist jeder so ernst, tut so verdammt rätselhaft?
Ihr habt eure Sonnenbrillen auf und eure Absätze sind so hoch,
dass ihr nicht mal richtig Spaß haben könnt.

Schaut alle nach links! Schaut alle nach rechts!
Könnt ihr das spüren? Wir werden sie heute Nacht mit Liebe bezahlen…

Es geht nicht ums Geld, Geld, Geld. Wir brauchen euer Geld, Geld, Geld nicht.
Wir wollen nur die Welt zum Tanzen bringen. Vergesst das Preisschild!

Es geht nicht um das Ka-Ching, Ka-Ching (Kassen-Geräusch). Es geht nicht um das Ba-Bling, Ba-Bling.
Wir wollen nur die Welt zum Tanzen bringen. Vergesst das Preisschild!

Wir müssen in die Zeit zurück gehen, als die Musik uns alle zusammen brachte.
Als es nicht nur um Schläge unter die Gürtellinie und Schlampen in Videos ging. Bin ich die einzige, die das … satt hat?

Warum ist jeder so verbissen? Geld kann uns keine Freude kaufen.
Können wir alle nicht ein wenig auf die Bremse treten und das Jetzt genießen? Ich garantiere euch: wir werden uns gut fühlen.

 

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