Vom Himmel geküsst

Silke Hohmuth schreibt (Fotos: Torsten Pötzsch):

Es gibt Orte, die sollte man geheim halten, weil sie so zauberhaft sind – und weil man möchte, dass sie genauso bleiben. Für immer. Weil sie einen Zauber haben, von dem ich manchmal glaube, er könnte verloren gehen, wenn zu viele ‚Mainstream-‚ Menschen dorthin kommen.

Es gibt jedoch auch Orte, da fühle ich eine große Sicherheit in mir, dass sie bleiben, wie sie sind, auch wenn der ein oder andere ‚Städter‘ sich hierhin verläuft. Und bei Nebelschütz, dessen sorbische Bedeutung ‚Vom Himmel geküsst‘ heißt, ist das so.

Hier bin ich mir sicher, dass sie nicht verlieren, was sie geschaffen haben – denn es wirkt so gewachsen, so bodenständig, so authentisch und gefestigt in sich …

Nebelschütz ist so zauberhaft und ‚ein Paradies auf Erden‘ – und man fragt sich, ob hier andere Regeln gelten als im Rest der Lausitz, jener Region im Drei-Länder-Eck Deutschland – Polen – Tschechien, die von Strukturwandel und Landflucht gezeichnet ist.

Nun, die Rahmenbedingungen sind die gleichen, nur die Vision und die Werte, mit denen die Nebelschützer leben, sind sehr klar und passen sich nicht den Rahmenbedingungen an, sondern formen die Rahmenbedingungen so, dass sie zu ihrer Vision von ‚einem guten Leben für alle‘ passen. 

Nebelschütz ist eine Gemeinwohl-Gemeinde, das sag ich, ganz ohne, dass sie eine GWÖ-Bilanz erstellt haben. Und ich weiß gar nicht, ob ich hauptsächlich den Bürgermeister jenes Ortes dafür im positiven Sinne verantwortlich machen möchte – oder er es nur deshalb so gestalten konnte, weil die richtigen Menschen mitgezogen haben.

Thomas Zschornak, der Nebelschützer Bürgermeister, ist eine besondere Persönlichkeit – und eigentlich sollten alle Bürgermeister von der Lausitz und von überall ihm einmal zuhören; doch nicht nur zuhören, sondern mit ihm durch sein Dorf gehen. Vor allem jene aus den Verwaltungen sollten zu ihm kommen – und manches Geld leichter und unbürokratischer geben. Ihm vor allem. Denn er macht echt gute Dinge damit. Für das Dorf Nebelschütz und darüber hinaus.

Ach, ich bin verliebt. Spontan verliebt. In diese Einfachheit und Fülle. In die Menschlichkeit. In die Natur. Das Bodenständige. In die Menschen, die wir kennenlernen durften. In diese großen Visionen und das doch achtsame Gehen – Schritt für Schritt.

Der Besuch in Nebelschütz hat etwas mit mir gemacht. Eine Sehnsucht entflammt und mich an ein Versprechen erinnert, dass ich meinem Vater vor 28 Jahren gegeben habe :

‚Wenn ich fertig bin mit der Lehre, dann komme ich wieder nach Hause – und dann machen wir einen Bauernhof für die Menschen aus der Stadt, dass die wieder normal werden!‘

Ich glaube heute mehr denn je, dass den Menschen die Natur gut tut und vor allem das sich Verbinden mit der Natur, das darin arbeiten, das aus ihr essen, das in ihr schlafen … dass all das die Menschen wieder mehr spüren lässt, was wirklich wichtig ist im Leben, es sich selbst spüren lässt und etwas, das Heimat ist. Nicht in Außen, sondern in einem Ankommen bei sich.

Wenn man offen dafür ist, wird man in Nebelschütz ‚Vom Himmel geküsst‘ – ganz subtil und doch nachhaltig spürbar.

Danke, Nebelschütz! Danke, Thomas Zschornak! Wir sehen uns bald wieder. Und ich glaub, ich bring den ein oder anderen Städter einmal mit – von Euch kann man lernen, wie man Miteinander und Füreinander lebt. So wie es am Gemeindeamt steht:

Pack zu! Lass gemeinsam uns alle das Gute und Nützliche tun.

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