(M)ein Tag der Entscheidung: 26.09.2011

von Silke Hohmuth

Es ist heute auf den Tag 6 Jahre her, dass ich entschied, die Finanzbranche zu verlassen. Warum erinnere ich mich so genau an diesen Tag?

Ganz einfach: ich stand im Stau morgens auf der A7 bei Kassel. Ich war auf dem Weg zu Fidelity Investments nach Kronberg, für die ich damals tätig war. ‚China Consumer‘ hieß der Investmentfonds, für den ich Roadshows, Messeauftritte und weitere Premiumkundenevents im Direktmarketingbereich plante.

Am Morgen des 26.09.2011 hörte ich im Radio vom Tod eines meiner größten Vorbilder: Wangari Maathai.

Über Wangari Maathai sprach ich in jedem meiner Vorträge oder Workshops zu den ‚Big Five for Life‘, die ich neben meinem Bankjob hielt. Sie gilt als lebendiges Beispiel, wie man mit kleinen Schritten und konkreten Handlungen die Welt verändern kann. Wangari Maathai entschied sich, etwas für Umweltschutz und Menschenrechte zu tun. Und sie tat dies u.a., indem sie begann, Bäume zu pflanzen. Sie pflanzte einfach Bäume und inspirierte andere Menschen, vor allem Frauen, es ihr gleich zu tun. ‚Mutter der Bäume‘ heißt sie in Kenia, ‚green belt movement‘ ist auf sie zurückzuführen, eine Bewegung, die als Graswurzelbewegung begonnen hat und letztendlich Kenia wieder aufgeforstet hat. Doch sie hat viel mehr getan, als ’nur‘ Bäume zu pflanzen: sie hat den Menschen Mut und Hoffnung gegeben, etwas verändern zu können in ihrer Welt.

An jenem Montag morgen, am 26.9.2011, wurde mir auf sehr unbequeme Weise bewusst, wie sehr ich meine Werte, für die ich als Mensch stehe, tagtäglich in meinem ‚payed job‘ verrate.

Und plötzlich forderte in diesem Moment, im Stau auf der A7 bei Kassel, das Leben eine Antwort von mir:

Wofür willst Du Dein Leben einsetzen? Was willst Du mit diesem Geschenk, was Dein Leben ist, tun? Weiter (Event)Marketing dafür machen, dass Menschen Geld in Finanzprodukte investieren, die die Natur zerstören, Menschenrechte verletzten und Menschen unwürdig arbeiten lassen, Glück durch Konsum und ein Höher-Weiter-Schneller vorgaukeln?!
Wann willst Du Verantwortung für das übernehmen, was Du selbst als für wichtig und wesentlich erkannt hast – und dies mit Leben füllen?!

Es gibt Momente, da kannst Du Dir nichts mehr selbst vormachen. Da weißt Du: okay, it’s time for a change.

Ich hatte keinen wirklichen Plan B. Rückblickend schüttle ich meinen Kopf über so viel Naivität und gleichzeitig zieh ich meinen Hut vor so viel Courage.

Denn: nicht mehr zu tun, was man nicht mehr tun will bzw. innerlich kann, ist das eine. Keine wirkliche Idee für Alternativen zu haben, ganz etwas anderes. Diese ‚Alternative‘, die ich jetzt mit MenschBank lebe, durfte und musste wachsen. Den Pfad, den ich gegangen bin, gab es noch nicht … und doch durfte ich auf dem Weg erkennen, dass viele Menschen und auch verschiedene Banken von der gleichen Vision angetrieben sind:

Wir haben eine besondere Verantwortung für das Ökosystem unseres Planeten.
Indem wir andere Arten schützen, schützen wir unser eigenes Überleben. (Wangari Maathai)

6 Jahre sind eine lange Zeit – und manchmal kommt mir ein Gedanke von ‚Hätte es nicht schneller gelingen können?‘ – Ich glaube NEIN, ich glaube, dass es die Zeit braucht, die es braucht und dass heute die Zeit reif ist und mir gerade die Menschen begegnen, mit denen ich – inspiriert von Wangari Maathai – diesen Weg nachhaltig für unsere Erde gehen kann.

Ich weiß nicht, warum ich mich so sehr um die Dinge kümmere.
Es ist einfach so, dass etwas tief in meinem Inneren mir sagt,
dass es ein Problem gibt und dass ich etwas dagegen tun kann. (Wangari Maathai)

Heute liebe ich wieder, was ich tue, wirke im Einklang mit meinen Werten – und freue mich über jeden Euro und jede Stunde Lebenszeit, die in Projekte fließen, die nachhaltig dem Leben dienen und unseren Planeten in seiner Schönheit und Vielfalt erhalten. Auch, wenn ich 6 Jahre nach dem Tod von Wangari gefühlt noch ganz am Anfang stehe, bin ich glücklich und dankbar für das, was ich heute schon bewirken darf und werde einfach weiter tun. Schritt für Schritt und Euro um Euro. 

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