Junge Menschen gestalten Europa

Küsschen links, Küsschen rechts in Spanien, herzliche Umarmungen in Brüssel, MenschBank ist willkommen in Europa. Und wir fühlen uns wohl, sehr wohl sogar – und dies hat nicht nur mit FutureLab Europe zu tun.

Als ich (Martin) mich mit 17 weiteren jungen Menschen aus 12 Ländern Europas erstmals in Brüssel zu Beginn 2017 traf, ahnte ich noch nicht, welche Spuren wir in nur wenigen Monaten auf der europäischen Bühne hinterlassen würden. Was uns eint, ist unser Interesse, als junge Europäer unsere Ideen und Projekte für Europa einzusetzen – und zwar gemeinsam. Gesellschaftlicher Wandel, initiiert von Bürgern, in unserem Fall: jungen Bürgern zwischen 18 und 29 Jahren.

Es war ein so herzlich Wiedersehen und eine große Anspannung, was aus den einzelnen Projketen geworden ist. Waren die gut 8 Monate ausreichend? Genügte das von den Stiftungen zur Verfügung gestellte Geld? Wurden unsere Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen?

Da wäre zum einen ‚Futures of Europe‘, die mit einer Onlineplattform und Workshops in Köln und Kopenhagen vielen Europäern zuhörten und ihnen die Möglichkeit gaben, ihr Bild der Zukunft eines gemeinsamen Europas zu visualisieren. Die gesammelten Ideen waren so unglaublich wie bemerkenswert originell und vor allem menschlich wertvoll.

Oder ‚YourThought.eu‘ – All different and all together, ein Online-Dialog mit Menschen aus allen Teilen Europas darüber, welche Identität eines Europäers wir uns vorstellen und wünschen, was in einem Workshop in Kiev in einem so großen Detailreichtum visualisiert wurde, dass sich auch sehr verschiedene Menschen in einer solchen vielschichtigen Identität wiederfinden. Diese Arbeit erscheint mir eine hervorragende Grundlage für die Erfassung einer gesamtgesellschaftlichen europäischen Kultur zu sein.

Sehr beeindruckt war ich persönlich auch von ‚Skill Up!‘ –Social Entrepreneur Workshops to empower immigrants and refugees. In Norwegen und Griechenland lud das Projektteam Immigranten und Flüchtlinge sowie junge Unternehmer im Bereich Social Entrepreneurship ein, um gemeinsam den Neuankömmlingen in Norwegen und Griechenland den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Als ich das Video dieser Workshops sah und die überglücklichen Gesichter, der Wille aktiv zu werden und die Dankbarkeit der aufnehmenden Staaten gegenüber erleben durfte, war ich so tief berührt, dass mir beinahe die Tränen kamen, unglaublich.

Die Tränen zurückhalten gelang mir dann beim letzten unserer 5 Projekte ‚Letters to Europe – Female Refugees Telling Their Stories ‘ nicht mehr. Das Projektteam hat es nicht nur geschafft, 14 verschieden Flüchtlingsgeschichten von Frauen aus allen Teilen Europas einzusammeln und in einem 500 Stück auflagestarken Buch zu veröffentlichen, das bereits jetzt schon nahezu vergriffen ist, sondern auch darauf basierend mit 2 Flüchtlingen, die gut 50 Lebensjahre trennen, ein Theaterstück zu inszenieren, das bereits jetzt Anfragen aus Belgien, Deutschland, Norwegen, Spanien und weitere zu verzeichnen hat. Als wir nach der 2. Premiere die Gelegenheit hatten mit den beiden Protagonisten zu sprechen und ihre emotionalen Geschichten zu vertiefen, war ich nicht der einzige, der vor Berührung weinte.

Und unser Projekt – ‚Bridges – Puentes – Brücken‘? Das lieferte sicherlich das erstaunlichste Ergebnis. Denn im Gegensatz zu den erfüllten und übertroffenen Erwartungen glänzte unser Projekt mit einer bemerkenswerten Erkenntnis, die für den gesellschaftlichen Wandel in Europa noch von besonderer Bedeutung sein wird. Hier erfahrt ihr mehr.

So großartig und wundervoll das Erreichte auch gewesen ist und so sehr wir das knappe Jahr gemeinsam genossen haben und noch genießen werden, so sehr nervenaufregend, spannend und zehrend war der Weg dahin. Schließlich waren wir ausschließlich getrieben von unserer eigenen Motivation, etwas für eine gemeinsame Zivilgesellschaft Europa zu bewirken, mit einem immensen unvergüteten Zeitaufwand unterwegs, unterstützt durch den Stiftungsverband NEF, der unsere entstanden Kosten deckte, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre. Wir sind sehr dankbar, dass dadurch jungen Menschen auch in Zukunft ermöglicht wird, Europa mitzugestalten.

Wir haben es geschafft, wir sind total glücklich und nachdem wir uns ordentlich gefeiert hatten, wollen wir vor allem eins: Weitermachen. Was es dafür braucht? Nun an Motivation und Engagement fehlt es uns nicht, wohl jedoch an den notwendigen Ressourcen. Viele der Teilnehmer, die all ihre Leidenschaft aufgefahren hatten, erinnerten daran, dass auch sie ‚nebenbei‘ noch ihren Lebensunterhalten verdienen müssten.

Um die Projekte weiterzuführen und eine nachhaltige Wirkung zu erzielen wollen wir ganz im Sinne von Schenkvestment einladen, die notwendigen Ressourcen und finanziellen Mittel den jungen Menschen zur Verfügung zu stellen. Gerade bei ganz jungen und innovativen Projekten kann geschenktes Geld, das an keinerlei Bedingungen geknüpft ist das gesamte Potential der jungen Ideen ausschöpfen. Wir haben gezeigt, wozu wir auch mit wenigen Mitteln in der Lage sind. Lasst uns gemeinsam herausfinden, was alles möglich ist, wenn das Geld ins Fließen kommt.

Den Menschen zuhören und sie ernst nehmen ist im Übrigen etwas, was auch Europapolitiker sich sehr gern noch öfter zu Herzen nehmen dürfen.

Ich möchte an dieser Stelle dem Team um Claire Dhéret und Tania Marocchi für die großartige Organisation, die unerschütterliche Geduld mit uns, ihr nie versiegendes Engagement und ihre freundschaftliche Herzlichkeit danken. Ich bin immer noch gerührt und fühle mich geehrt, diese Chance erhalten zu haben.

Für das nächste Jahr haben sich bereits 150 weitere junge Menschen beworben, nicht alle werden tatsächlich teilnehmen können. Und da wir Kooperation der Konkurrenz vorziehen, entwickeln wir gerade, wie wir die nicht gewählten jungen Ambitionierten in der Umsetzung ihrer Ideen und Projekte unterstützen können. Denn bei MenschBank erhält ein jeder, der sich für das Gemeinwohl einsetzt, eine 2. Chance.

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