Innovation Challenge – Wo geht die Reise hin?

Endlich ist das Impact Hub auch in Dresden angekommen, um die Stadt mit StartUps, kreativen Entrepreneurs und Innovativen um einen jungen und frischen Aspekt zu ergänzen. Zur Innovation Challenge Finance and Insurance haben wir uns das ganze einmal angeschaut. Wie angekündigt (http://menschbank.de/innovationchallenge-financeinsurance/) waren wir sehr gespannt und neugierig darauf, (völlig) neue Wege in der Finanzwelt beobachten zu können und mitgestalten zu dürfen.

Wir beginnen einmal ganz am Ende. Gewonnen hat eine Idee, an der sich das Wort Innovation wirklich messen lassen kann. Ein Team kündigte an, Banken mit der Verbesserung des Nutzererlebnisses (engl. user experience – jedoch lieben wir die deutsche Sprache) sich den jungen Menschen zu öffnen. Was nach Aufwärmen eines altbackenen Geschäftsmodells klang, entpuppte sich in seinem Entwicklungsprozess, in vielen amüsanten Gesprächen, hitzigen Diskussionen, aberwitzigen Tests und hochemotionalen Präsentationen – man sollte also nie zu schnell urteilen – als ein fast schon revolutionärer Gedanke. Anstatt Risikoprofile und Ziele&Wünsche-Pläne für die finanzielle Zukunft der Kunden auf Papier auszufüllen, bekommt der Besucher der Bankfiliale jetzt eine Brille aufgesetzt, die durch die Projektion einer virtuellen Realität von den Gedanken des Besuchers gesteuert wird, um so in einer gewohnten Umgebung mehr über ihn zu erfahren. Stellen wir uns vor, der Besucher darf an alles denken, was er mag, sich alles vorstellen, was seine Zukunft / Gegenwart / Vergangenheit anbelangt. Nehmen wir das Beispiel Urlaub: schwebt er mit einem Gleitschirm über die Alpen, schaut er sich von einem Reisebus aus Rom an, springt von Klippen in Australien in die Tiefe oder cruist er mit dem Auto den Highway Nr. 1 an Kaliforniens Küste entlang. Daraus soll man ableiten können, wie risikoaffin der Kunde ist, in welche Richtung sich seine zukünftigen finanziellen Pläne entwickeln könnten und was ihm wirklich wichtig ist, worin die Bank ihn am besten unterstützen kann. Ja richtig, damit beschäftigt sich dann der eigene Berater mit meinen Träumen und Zielen und unterstützt mich mit den Möglichkeiten seines Hauses, diese zu erreichen. Ist das nicht großartig?

Nun das mag sehr abgespacet…entschuldigung…abgefahren klingen, in weiter Ferne zudem, nur wenn damit tatsächlich der Mensch und seine Bedürfnisse in den Vordergrund gerückt werden, ist das ein Weg in eine gute Richtung, wie wir finden.

Zwei Dinge durften wir auf der Innovation Challenge mitnehmen.

  1. Der Spaß, die Freude und die Leidenschaft, welche die Teilnehmer entwickelten, um wirklich einmal über den Tellerrand hinaus zu denken und dort nach neuen Lösungen zu forschen. Wir waren schnell wieder bei unserer Lieblingsbeschäftigung: die Teams mit dem, was wir im Kopf haben, mit den Menschen, die wir kennen und den Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, zu unterstützen, das zu tun, was jedes Teammitglied am besten kann und am leidenschaftlichsten tut. Und auch wenn es immer wieder die Tendenzen gab, in die alten Denkmuster zu verfallen, waren die Teams immer wieder bereit, sich zu öffnen und wieder über die Grenzen ihrer Gewohnheit zu gehen. Wir hatten dahingehend immer wieder eine unglaubliche Freude daran, in die Gruppen zu gehen und das ‚Feuer der Innovation und Begeisterung‘ zu entfachen und zu zeigen, dass man bei all dem technischen und methodischen Wirken den Menschen (und dabei nicht nur den Kunden) mit seinen Bedürfnissen und auch Emotionen nicht aus den Augen zu verlieren. Warum nicht einmal ein Raumfahrtanzug statt einer langatmigen Powerpointpräsentation? Warum nicht einfach mal die Welt ändern wollen, statt nur ein bisschen besser machen? Warum nicht einmal Geschäftsmodelle verwerfen, weil es auch ohne finanziellen Aufwand einfache und nachhaltige Lösungen gibt?
  1. Innovation bedeutet auf der anderen Seite auch loslassen, umdenken, die Richtung wechseln, ungewohnte Wege gehen, Träumen und vor allem verrückt herumspinnen. An der Stelle wünschen wir uns noch mehr Mut und noch mehr Begeisterung für das Neue und Unbekannte. Vor allem jedoch wünschen wir uns eines: Wertebewusstsein. Natürlich ist es wichtig, für die Menschen ein tolles Nutzererlebnis zu schaffen oder einfache digitale Zugangswege zu ermöglichen oder sich mit den Zielen und Wünschen der Kunden zu beschäftigen und -wenn möglich- zu erfüllen. Doch am Ende des Tages werden neben der Beratungsleistung im Grunde genommen wieder dieselben Finanzprodukte verkauft. Sind diese bereits ausgereizt, entsprechen Sie den Wünschen und vor allem den Wertevorstellungen der Menschen? Auf diese Frage haben wir in den 2,5 Tagen nur selten eine Antwort bekommen.

 

 

Warum ist uns so wichtig, darüber zu sprechen? Nun, die Menschen verzichten auf Tierprodukte, weil sie für sich persönlich erkannt haben, dass Tiere für ihren Speiseplan weder sterben noch unwürdig leben sollen. Sie kaufen bewusst Bioprodukte, beziehen Ökostrom und beziehen Kleidung aus menschenwürdigen Produktionsverhältnissen, weil sie ihr Konsumverhalten auf ihre individuellen Werte anpassen möchten. Doch stellen wir die Frage – „Wisst ihr eigentlich, ob das Geld auf dem Konto von eurer Bank euren Werten entsprechend investiert wird?“ – dann schauen uns leider noch zu selten leuchtende, selbstbewusste und aufgeklärte Augen an, die mit Gewissheit sagen: ‚Ich achte neben meinen Zinsen und Rendite auch darauf, dass mit meinem Geld das gemacht wird, was für mich moralisch, ethisch, ökologisch ect. vertretbar ist.‘

Wir sind sehr glücklich darüber, dass einer der Referenten und ein weiterer Teilnehmer ihre Begeisterung für dieses Thema offenbarten und uns sofort unterstützen wollten. Wir denken, dass die Zeit reif ist, einen offenen Dialog zu führen, damit auch Geld unseren Werten dienen kann.

Wenn ich schon keine Zinsen dafür bekomme, dann möchte ich wenigstens, dass mit meinem Geld etwas Gutes passiert.

… sagen Bankkunden lt. Dr. Tobias Peylo vom Sparkassenverband Baden-Württemberg in der heutigen Zeit der Niedrigzinsphase.

Aus diesem Grund werden wir zweierlei Projekte angehen: Zum einen sind wir bereits im Kontakt mit dem Impact Hub München, um dort im Juni oder Juli einen Workshop und Abendvortrag zum Thema wertebewusstes Investieren zu initiieren. Dort werden wir darüber sprechen, was es in der Branche braucht und was sie dazu beitragen kann, damit Finanzprodukte, angefangen vom Konto bis hin zu Finanzmarkinstrumenten, so transparent und klar für die Menschen werden, dass diese ihren Werten entsprechend das Geld einer Bank anvertrauen können, um dann die nächsten Schritte Lösungen für die Branche festzumachen und mit einer nachhaltigen Umsetzung zu beginnen.

Wenn euch hier Menschen einfallen, die etwas Wertvolles beitragen können, sind wir gern für Empfehlungen offen.

Zum anderen werden wir mit der Endkundeninteressenvertretung ‚Geld mit Sinn e.V.‘ die Entwickung eines Konzepts anstoßen, welches den Aspekt des werteorientierten Umgangs mit Geld für die Menschen ein Basisentscheidungskriterium der Finanz- und Zukunftsplanung werden lässt.

 

 

Wir bedanken uns recht herzlich bei sherpa.Dresden, der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, der Sparkassen-Versicherung Sachsen und PROGRESS Finanzplaner für das Veranstaltungsformat und die daraus erhaltenen Impulse, die als Fortführung der Challenge für uns ganz im Sinne von Innovationen in der Finanzwelt für die Menschen steht.

2 thoughts on “Innovation Challenge – Wo geht die Reise hin?

  1. Liebe Menschbanker, da kommt mir beim Durchlesen der Gedanke „Finanzprodukt a la Baukastensystem“. Der Kunde kann sich eigenständig das Finanzprodukt zusammenstellen, wie es für ihn am besten passt. Jetzt verfalle ich natürlich sofort in die „Wie soll das gehen – Falle“ :)) Wichtig ist mal der Ansatz in Kontakt zu bringen.

    LG
    Johannes

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