Deutschland als Vorbild Europas?!

Die Landeshauptstadt Dresden hatte eingeladen: 21. – 23.9.2017, Konferenz der Konkurrenten; ein Begegnungsraum für die deutschen Bewerberstädte um den Titel ‚Kulturhauptstadt Europa 2025‚.

Ich hatte große Mühe mit dem Titel, fast so große Mühe, dass ich nicht gehen wollte. ‚Zu einer Anti-Kriegsdemo werde ich nicht kommen, doch zu einer Friedenskundgebung könnt ihr mich gerne einladen!‘ sagte sinngemäß Mutter Teresa und wissend darum, dass Energie der Aufmerksamkeit folgt, unterstützen wir Projekte, die in einem Miteinander, einem Erforschen und Gestalten für das Gemeinwohl liegen. ‚Konkurrenz‘ ist etwas Normales in unserer (Wirtschafts)Welt, ob es etwas ‚Natürliches‘ ist, mag ich zumindest als Frage im Raum stehen lassen. Hier gibt es zahlreiche Beispiele für und wider. Und doch stammt es ursprünglich vom lateinischen concurrere und bedeutet so viel wie: zusammentreffen, oder von allen Seiten herbeiströmen; wer sagt, dass man dann (um etwas) kämpfen muss? Man kann ja auch einfach miteinander ’spielen‘.

Klar war: es braucht eine Message, wenn ich dorthin gehe. Denn, dass ich gehen möchte, war ein sehr klares ‚Bauchgefühl‘. Ich bereitete mich vor – mit einem Slogan und einem T-Shirt. Eigentlich zwei T-Shirts: einmal für die Jungs (also Martin) und einmal für die Mädels (also mich). Am Ende war ich zwar ohne Shirt auf dem Kongress, doch der klaren Message im Herzen und dem Herzen auf der Zunge: Bridges for Europe ist eine der Botschaften, mit der wir für Europa gehen – Brücken, deren Pfeiler Wirtschaft und Kultur gleichermaßen sind. Die gebaut wird in ‚collaboration‚ und dem Wissen, dass wir alle wertvoll sind und deshalb bewertungsfrei sein wollen (we are of value).

Es war eine wirklich gute Veranstaltung – die ‚Konkurrenz‘ war nicht wirklich spürbar – im Gegenteil: ein sehr kollegiales Miteinander der Verwaltungen der Wettbewerberstädte, ein offenes Teilen der Erfahrungen von 4 Bewerber- bzw. Kulturhauptstädten der Vergangenheit/Gegenwart und was mich am meisten begeisterte: ein kreatives Köpfe und Herzen zusammenstecken der freien Kulturszenen der Partnerstädte. Ja, richtig: ich schreibe Partnerstädte – weil bei den Vertretern aus der Kultur gab es gar keinen Wettbewerb. Denn ihr Interesse ist gleich: die Kulturentwicklung der jeweiligen Städte.

Ich begann überhaupt erst zu verstehen, was das Thema ‚Kulturhauptstadt zu sein‘ bedeutet für eine Stadt und, dass dies mal wieder ein m.E. dämlicher Wettbewerb ‚gegeneinander‘ ist, wo man zwar bei Teilnahme auch als ‚Nichtgewinner‘ gewinnen kann, doch es eben immer nur einen Titel- und Preisträger geben kann. Theoretisch jedenfalls.

Mehr als einmal sagte ich ‚Ich lebe zwar in Dresden, doch ich bin Europäerin. Ich unterstütze jede Stadt, die den europäischen Gedanken lebendig erfahrbar machen will.‚ und ich kam nicht umhin, bereits auf jenem Kongress einen Plan zu schmieden:

Was wäre, wenn ….

… sich letztendlich nur eine Stadt bewirbt und zwar mit dem klaren Statement ‚we are incomparable‘ und ein Netz in all die anderen Bewerberstädte spannt und somit alle Gewinner sind. Als Essen 2010 gewann, waren hier auch mehrere Städte mit genannt, also ist es nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch möglich.

EUROPA braucht heute mehr denn je einen Schulterschluss – ein Statement der Menschen, dass man sich nicht mehr vergleichen will, keinen Ersten mehr krönt, sondern den Fokus auf das Gemeinsame und das Miteinander richtet.

EUROPA, wie es geplant war, bröckelt. Es wird Zeit, dass wir – die Europäer – die alten Regeln ein wenig ändern. Dass wir beginnen zu teilen – und erkennen, dass wir alle wertvoll sind. … na, wie wäre das:

Deutschland 2025 als Vorbild Europas im Bereich Kultur?! 

Ja, wir wollen anzetteln und anstiften, Regeln nicht zu brechen, sondern ein wenig auszuweiten und auszuspielen. Möglicherweise macht das uns allen viel mehr Freude. Wirtschaft und Kultur als Pfeiler sind tragfähig – wenn wir das in unsere Köpfe und Herzen bekommen und unser Tun daran ausrichten, dann werden wir regional, national und international die Wirtschaftlichkeit für die Kultur und ebenso die kulturelle Vielfalt in der Wirtschaft erfahren, die uns alle lebendiger sein lässt. Und möglicherweise ändern sich dann auch die (Fördergeld)Regeln, dass künftige Generationen es leichter im Miteinander haben.

Wird es gelingen?! Wer weiß…  doch ein Zitat vom Kongress macht Mut und zeigt, dass es Sinn macht, es zumindest zu versuchen:

Reach for the moon
even if you miss
you will land among the stars.

(Greif nach dem Mond; auch wenn Du ihn verfehlst, wirst Du inmitten der Sterne landen.)

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