Bridges – Ein Europaprojekt

Küsschen links, Küsschen rechts in Spanien, herzliche Umarmungen in Brüssel, MenschBank ist willkommen in Europa. Und wir fühlen uns wohl, sehr wohl sogar – und dies hat nicht nur mit FutureLab Europe zu tun.

Als ich (Martin) mich mit 17 weiteren jungen Menschen aus 12 Ländern Europas erstmals in Brüssel zu Beginn 2017 traf, ahnte ich noch nicht, welche Spuren wir in nur wenigen Monaten auf der europäischen Bühne hinterlassen würden. Was uns eint, ist unser Interesse, als junge Europäer unsere Ideen und Projekte für Europa einzusetzen – und zwar gemeinsam. Gesellschaftlicher Wandel, initiiert von Bürgern, in unserem Fall: jungen Bürgern zwischen 18 und 29 Jahren.

Doch eins nach dem anderen. Denn bevor wir vor wenigen Tagen erneut in Brüssel zusammenfanden, traf sich mein Team um das Projekt ‚Bridges‘ in Ronda, Spanien, um dort den 2. Workshop über die lokale Beteiligung der Menschen an der Gestaltung der Zivilgesellschaft stattfinden zu lassen. Unser Projekt hatte das Ziel, in Berlin und Ronda lokale Herausforderungen zu identifizieren und mit den Menschen vor Ort gemeinsam zu lösen, statt auf komplizierte politische Prozesse zurückgreifen zu müssen. Dabei wollten wir die Probleme und die Lösungsansätze in Spanien und Deutschland nicht nur vergleichen, sondern erfahren, inwieweit wir Herausforderungen in einem Land mit den Lösungsideen des anderen Landes zum Mehrwert für das Gemeinwohl verbinden, also Brücken bauen können. Wir konzipierten Umfragen, luden die Menschen zum „Meckern“ und sich das Herz ausschütten ein, um sie dann zu motivieren, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. In einem letzten Schritt würden wir mit Unternehmen, NGOs und anderen Institutionen mögliche Problemlösungen entwickeln und beim praktischen Umsetzen helfen.

Doch es kam ganz anders. Bereits die Umfrage lief trotz unserer großen Netzwerke eher zurückhaltend. Die Menschen schienen sowohl die Probleme und vor allem die Lösungen nicht mit sich zu identifizieren. Sahen sie also ein Problem, so machten sie den Staat und die Politik dafür verantwortlich. Die Befragten waren recht einhellig der Auffassung, dass man so wirklich ohnehin nichts ändern könne…. Dieses Desinteresse hatten wir in der Form nicht erwartet.

Im ersten Workshop in Berlin drehte sich das Bild in eine andere Richtung. Denn sobald wir mit den Menschen konkret ins Gespräch kamen, interessierten sie sich auf einmal doch dafür, wie die Straßen sauberer gehalten oder die Parkplatzsituation besser gestaltet werden könnten. Doch dieses Mal hielten sie nicht den Staat oder Politiker dafür verantwortlich, sondern sich selbst. Die Teilnehmer erkannten, dass man selbst viel mehr machen könnte, allerdings die Ressourcen und die notwendigen Kontakte fehlen. Nun schienen wir mit unserer ursprünglichen Idee wieder im Rennen, denn genau dabei wollten wir unterstützen. Doch da war noch eine Sache, die Teilnehmer glaubten immer noch nicht wirklich daran, dass sie selbst einen Unterscheid machen könnten.

In Ronda erlebten wir dann noch einmal eine Bestätigung unserer Vermutung. Die Menschen, so gern sie sich auch über Probleme beschweren, bringen nicht die Energie auf, um diese tatsächlich zu lösen. Es schien, als wäre der Aufwand einer Lösung größer als der Schmerz des Ertragens. In Gesprächen mit den Spaniern beschlich uns sogar das Gefühl, dass die Menschen doch glücklicher mit ihrer Situation und mit ihrem Leben sind, als wir angenommen hatten. Das erklärt möglicherweise auch die geringen Teilnehmerzahlen an den Workshops sowohl in Ronda als auch Berlin.

Sind die Menschen einfach wirklich schon glücklich oder fühlen sie sich einfach nur überfordert und machtlos? Diese Frage oder vielmehr diese Erkenntnis war ein ganz anderes als das erwartete Ergebnis. Doch erst, als wir uns mit den Resultaten der übrigen 4 Projekte beschäftigten, konnten wir die Dimension unseres Erfolgs überhaupt verstehen:

Denn was wir hier gefunden hatten, war die Gretchenfrage der Zivilgesellschaft: Sollten die Menschen bereits dort sein, wo wir sie glauben hinführen zu können, zum Glück? Dann braucht es unser Tun an dieser Stelle nämlich gar nicht. Fühlen sich die Menschen einfach nur nicht befähigt, einen Unterschied machen zu können, dann wird es all unsere Kraft bedürfen, diese Menschen zu erreichen und zu unterstützen. Wow, ich denke, jetzt geht es erst richtig los….

Wie geht es mit unserem Projekt ‚Bridges‘ weiter? Zum einen überlegen wir, doch noch einen dritten Workshop in einer anderen Stadt durchzuführen, um den Menschen zuzuhören, was es für konkrete Ressourcen braucht, um bestehende Herausforderungen auf lokaler Ebene gemeinsam zu lösen und Pläne zu erstellen, wie wir diese zur Verfügung stellen können.

Zum anderen werde ich mich auf die Reise durch Europa und den Rest der Welt begeben, um mit den Menschen in den direkten Dialog zu kommen, inwieweit sie tatsächlich schon glücklich sind und wie sich dieser Zustand aufrechterhalten lässt.

Das ist eine der wichtigsten Lektionen für uns: Die Menschen kommen nicht zu Workshops, um über Probleme zu sprechen, die ihnen dort nicht begegnen. Also kommen wir zu den Menschen und besuchen sie genau dort, wo sie mit Herausforderungen konfrontiert sind und hören ihnen einfach zu.

Den Menschen zuhören und sie ernst nehmen ist im Übrigen etwas, was auch Europapolitiker sich sehr gern noch öfter zu Herzen nehmen dürfen.

An dieser Stelle mag ich mich auch noch einmal ganz herzlich bei meinen Teamkolleginnen Héloise Le Masne, Alba Marin Guerrero und Zuzana Novakova für die erfolgreiche und stets unterhaltsame Zusammenarbeit und vor allem euer Durchhaltevermögen, erst recht weiter zu machen, wenn es herausfordernd wird, bedanken.

Wir waren nun sehr gespannt, wie es den übrigen 4 Projekten erging, als wir in Brüssel unser Wiedersehen feierten.

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